Fällt das Schlagwort Techno, heißt es für die meisten Zeitgeister sofort an Berlin zu denken, schlimmstenfalls an Stadionatze Paul Kalkbrenner, an die virile Clubszene in der deutschen Hauptstadt, in den USA, Detroit zum Beispiel, vielleicht Ibiza. An Singapur würde man wohl reichlich spät denken – daran wird Xhin mit seinem neuen Album sicherlich nichts ändern. Denn mit einem originären Szenesound mit Regionalcharakter hat sein neues Album wenig zu tun – Xhin spielt auf einer internationalen Klaviatur. Die Expertise macht nicht in der Theorie halt, und so lotet der Produzent verspielten britischen Sound in industriellen deutschen Techno und unterfüttert die Mischung immer wieder mit Prisen von IDM, Ambient und verwandten, komplexeren Spielarten elektronischer Musik.
Nicht nur was für den Dancefloor: Sword ist vielschichtig und intelligent genug, feingeistig strukturiert und produziert. Eines dieser Alben, die zum Feierabendbier das Wohnzimmer genauso gut atmosphärisch auskleiden wie um neun Uhr morgens in verschwitzter Ekstase das Halbdunkel einer Tanzfläche. Nach Deutschland, genauer gesagt Berlin, wird da schon viel geschielt, und zeitweise meint man im Wirken Xhins das eine oder andere Zitat von DJ-bzw. Produzentengrößen wie Ben Klock zu erkennen, die jedoch sofort wieder von einer Verspieltheit und Experimentierfreude aufgefangen werden, die selbst die andere Seite der Referenz, die Dubstep-Sparte, in dieser Art und Weise selten zeigt. Heraus kommen zehn ziemliche Killertracks, die alles abdecken, was gerade den Puls der Zeit als Metronom verwendet und die nichtsdestotrotz eine distinkte, eigene Note bewahren.
Fox And Wolves eröffnet nach einem verhaltenen Opener mit derbem Bristol-Sound und verschachtelten Beats, eine Linie, die sich noch durch die folgenden Tracks zieht. You Against Yourself liefert dann Berghain-affinen Techno mit wummernder Bassdrum, der sich schnell wieder verstreut, Vent schließt mit einem housigen Beat an, der sich mit allerlei wohldosierten Störgeräuschen gegen die totale Eingängigkeit sperrt und trotzdem für neun Minuten die Füße auf Tanzmodus stellt. This Is What You Drew While You Were Half Asleep lässt das Album seicht auslaufen, mit einigen glitchigen Ambient-Momenten. Keine überambitionierte Genresammelei, sondern der logische Bogen eines enorm vielseitigen Albums.
