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Samstag, 26. Mai 2012 | 02:19

The Workhouse: The Coldroom Sessions / Camera 237: Alone In An Empty Bed

03.11.2011

Tag und Nacht

Zwei Alben wie Tag und Nacht. Besser: Das eine für den Tag geeignet, das andere für die Nacht. Während sich die Italiener von Camera 237 auf Alone In An Empty Bed kaugummikauend die Sonnenbrille aufsetzen, verlieren sich The Workhouse bei ihren Coldroom Sessions in düsterer Archivkrämerei. Von KRISTOFFER CORNILS.

 

Nach ein paar Sekunden fängt der Vorderlappen an zu knirschen: Das ist doch The Cure! Irgendeine obskure HiFi-B-Seite aus den ersten Jahren der 80er, ziemlich sicher. Die polternden Drums, die geisterhaften Synthies und die verwaschen-verzerrte Gitarre – fehlt nur noch die Stimme von Robert Smith. Aber es ist nicht The Cure, sondern The Workhouse, die mit Fading Fast eine geisterhafte Hommage an ihre Stifterfiguren abliefern. Das zieht sich weiter durch die Coldroom Sessions. Stalker hört sich an, als würde sich jemand an den gängigen Post-Rock-Standards abarbeiten, Wall-of-Sound-Fanatismus trifft auf Melodieversessenheit – zeitnah, aber trotzdem mit dieser morbiden Grundstimmung der Batcave-Ära versehen. Track Nummer drei, The Last Time I Saw The Stars: ist das Peter Murphy, der da singt? Spielt Thurston Moore Gitarre?

 

Man muss sich eigentlich nicht weiter durch The Coldroom Sessions graben, um an der Stelle feststellen zu können: The Workhouse liefern Musikgeschichte zum Anfassen. Und irgendwie mag man es den Briten nicht übelnehmen, denn den Esprit der dunklen Seite der 80er Jahre fangen sie perfekt ein. Allein das siebenminütige Shoegaze/Post-Rock-Instrumental Drag Queen bietet soviel Herzschmerz, Sehnsucht und Leidenschaft, dass alle Referenzen vergessen sind. The Coldroom Sessions gibt sich wie eine Compilation der besten Momente der 80er, eingekleidet in einem neuen Sound, mit satter Produktion und eigener Note, mal mit, mal ohne Gesang. Dass dabei etwas die Homogenität auf der Strecke bleibt, kann man gut verkraften, wenn die Platte im abgedunkelten Zimmer läuft, nachts, um halb drei, wenn draußen alles ruhig geworden ist.

 

Mit Camera 237 sieht es da schon etwas anders aus: Alone In An Empty Bed zitiert mal hier die Get Up Kids mit jeder Menge zuckersüßen Synthie-Melodien und zaghaften Ausflügen Richtung Pop-Punk, klingt dort mal wie die Italo-Version einer stampfend dahin groovenden englischen Indie-Band und tut eigentlich alles, um zu gefallen. Carry On (To Carry On) kündigt gen Mitte der Platte endlich die Moll-Regionen des Albums an, die man nach der ganzen Klebrigkeit der ersten Songs aller leichten Melancholieanflüge in den Gitarren zum Trotz kaum noch aushalten kann.

Wenn Camera 237 nach dem kurzen Intermezzo jedoch wieder auf die Sonnenseite des Lebens blicken, versumpfen sie schnell wieder in einer ziemlichen Beliebigkeit. Das ganze Adoleszenz-Package kann einfach nicht überzeugen – das liegt zum einen vielleicht daran, dass der Gesang sich partout nicht zur Musik fügen will, zum anderen ganz bestimmt daran, dass keine Gitarrenmelodie, keine Akkordfolge, kein Basslauf und kein Schlagzeug-Beat im entferntesten interessant klingt.

 

In den besseren Momenten wissen Camera 237 das durch solides Songwriting aufzufangen, in den schlechteren verkommt das Album zu einer Art in Indie Rock gepresstes weißes Rauschen, wie ein Radio, das zur Mittagsstunde im Hof plärrt.

 

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