Mittelalter. Das Wort ruft leider bei vielen Zeitgenossen die ewig gleichen Bilder hervor: Burgen samt finsterer Verliese, Ritter, Gaukler, Hexen, Zauberer, Schwerter und eine ordentliche Kelle Met am Tag. Befeuert durch die Eindrücke auf dem sonntäglichen Besuch auf dem Mittelaltermarkt in der nächsten Kreisstadt und die gesellige Fantasy-Rollenspielerei jeden Donnerstag um 18.30 Uhr nach der Pädagogik-Vorlesung (wobei die dabei nötige Phantasie ungefähr der Kreativität entspricht, auf einem Sesamknäcke Sesam zu erwarten) rotten sich immer wieder junge Leute zusammen um das Mittelalter in Musik zu gießen. Was dann meistens leider so aussieht, dass langweilige Rock- und/oder Schwarzkittelmusik mit ein paar exotischen Instrumenten angereichert wird. Wichtig ist dabei vor allem, dass sich unter der wilden Musikerschar (Bärte, Glatzen, Bäuche erwünscht) auch ein holdes Burgfräulein befindet. Gut, die übliche Geschlechterverteilung (vier zu eins) und die Bärte bieten DOA auch, ansonsten unterscheiden sie sich glücklicherweise doch deutlich von der durchschnittlichen Mittelaltertruppe.
Das schöne Cover vermittelt schon mal die Erkenntnis, dass es mystischer ist, einige Dinge im Nebel zu belassen und nicht zu sehr mit Klischees um sich zu hauen. Außerdem: ja. Im Mittelalter war die Erde vor allem schön menschenleer.
Passend zur hier dargestellten Naturschönheit erzählt der erste Song auf A fronda dos cervos von Verda Herbas, was wohl grüne Kräuter sein dürften. Die Tatsache, dass die Worte der galizische Band, die sich hier mit der mittelalterlichen Lyrik ihrer Heimat beschäftigt, auch in der Sprache ihrerHheimat erklingen erhöht den Reiz nur. Mit Xoan Piñón, Xaquín Blanco und Bernardo Martínez sind noch drei der Gründungsmitglieder Teil der Band, die jeweils auf eine lange musikalische Karriere zurückblicken – aber auch Erfahrungen in Bereich wie Fotografie, Malerei, Theater und Poesie gemacht haben. Das merkt man, sie wirken auch 30 Jahre nach ihrem Debüt noch frisch und inspiriert. Rockklänge werden hier weggelassen, der Umgang mit folkloristisch verwurzeltem Liedgut wirkt routiniert und feinfühlig. Für ihr neues Album haben sie den Drehleier-Spezialisten Oscar Fernández sowie die beeindruckende Sängerin Susana de Lorenzo als Verstärkung an Board geholt. Mystik sticht Kitsch aus – und wir reiten in die Wälder Galiziens.