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Samstag, 26. Mai 2012 | 02:19

Peter Licht: Das Ende der Beschwerde

03.11.2011

Schaffen wir uns ab

Nach zehn Jahren und nun fünf Alben dürfte sich herumgesprochen haben, dass Peter Licht mehr ist als ein komischer Kauz, der sich nicht photographieren lässt und gerne auf dem Sonnendeck ist. Und so dürfte auch klar sein, dass das Ende der Beschwerde wohl nie kommen sollte. Von TOM ASAM.

 

Recht zackig eröffnet Sag mir, wo ich beginnen soll mit einem an die Goldenen Zitronen erinnernden Sprech-Singsang das Beschwerde Album. Etwas unbequeme Musik und fordernde Texte scheinen sich bestens zu ergänzen. Schon sind wir im Herzen des Schwarms. Des Schwarms der Menschen und Meinungen, der uns magisch anzieht – aber auch immer wieder atomisch abstößt. Was ist unser Platz im Schwarm, was ist unsere Meinung wert, außer unwesentlicher Bestandteil des »Meinungsklumpens« zu sein? »Begrabt mein i-Phone an der Biegung des Flusses«, lautet ein Titel. Früher hat man den Menschen ja auch schon ihnen wichtige Dinge mit auf die Reise gegeben. »Verschenkt meine Daten und verkauft mein Fleisch«, geht es provokant weiter. »Du, du und dein Leben ihr beide müsst dein Leben ändern. Wenn ich nur wüsste, welches Leben ich ändern müsste und welches nicht«, heißt es im Titelsong. Welches meiner Ichs ist das richtige? Mein Facebook-Ich, mein Beziehungs-Ich oder mein Agentur-Ich mit dem angetackerten Lächeln?

 

Peter Lichts Texte sind sehr originell und einzigartig. Das Verstörende ist, das nach dem scheinbar stimmigen Auftakt die Musik wieder in Lichtschen Pop wechselt, der hier teils extrem auf Mainstream-Radio getrimmt ist. Pop im Quadrat mit großer Produktion und Münchner Freiheit-Melodien. Gibt es sie (noch), die subversive Kraft des Popsongs? Auf jeden Fall wünscht man sich das in die Charts und in alle Dudelradios der Republik. Wenn dann zu süßer Melodie davon gesungen wird, dass die Sonne das ganze Geld verbrennt (Deine alten Schuhe), ist das der bestmögliche Soundtrack zu den nicht endenden Nullinfo-Meldungen zum Finanzmarkt. »Gesellschaft ist toll, wenn nur nicht all die Menschen wären« – sieben Milliarden und kein Ende in Sicht, auch nicht das der Beschwerde, hoffentlich.

 



 

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