Seit ich ihr Debut-Album Lungs 2009 nach ein, zweimal hören ins Regal stellte, habe ich eigentlich nie wieder an Florence and the Machine gedacht. Dass sich ihr, in ihrem Londoner Schlafzimmer erträumtes Album über drei Millionen mal verkauft und diverse Charts erklimmt, hätte ich nie gedacht – und ich auch habe es auch nicht mitbekommen. Irgendwelche Twilight-Sagas, MTV- und Grammy- Awards schaue ich mir auch nicht an. Florence war aber in den letzten Jahren wohl immer an der richtigen Stelle, wenn es galt ein richtig großes Publikum anzusprechen. Ach ja: sogar bei der Verleihung des Friedensnobelpreises war die 25-jährige dabei.
Die Maschine, die Florence an ihrer Seite hat, scheint vor allem eine perfekt geschmierte PR-Maschine zu sein. Von einem vielschichtigen Zweitwerk ist nun die Rede, das die Konventionen des klassischen Pops aufdröselt, gar von sperrigen und experimentellen Songs. Das ist natürlich relativ, gemessen an Britney Spears oder Lady Gaga mag das stimmen. Ceremonials ist ein ordentliches, professionelles Popalbum mit einem Qualitäts-Level das für derartige Verkaufszahlen nicht unbedingt die Regel ist. Florence hat vielleicht ein vergleichbar breites Publikum wie Amy Winehouse und all die Duffys die folgten – auch wenn sie musikalisch doch deutlich dicker aufträgt. Ihr Soul-Pop ist dramatisch und aufgeblasen, ja geradezu bedeutungsschwanger. Dicke Hose – oder besser: dicker Rock! Da passt es, dass die 25-jährige jetzt angeblich mit ihrem Look die neue Kollektion von Gucci inspiriert haben soll. Für meinen Geschmack etwas zu viel Maschine und Oberfläche auf einmal.