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Samstag, 26. Mai 2012 | 02:20

Toms Schnellgericht II

10.11.2011

Törööö ohne Tamtam

Ob finnischer Bigbandsound, Balkan Big Beats aus Deutschland oder hawaiianischer Reggae – bei all diesen Neuerscheinungen spielt die Trompete eine Rolle. Von TOM ASAM

 

Bei den Musikern, die sich den Kompositionen von Kerkko Koskinen widmen, handelt es sich durch die Bank um bekannte Namen der finnischen Jazz-Szene. So sind etwa vier Fünftel des Five Corners Quintets, der größten Jazz-Erfolgsgeschichte des Landes, Bestandteil des Kerkko Koskinen Orchestra, unter anderem Jukka Escola an der Trompete. Allen voran jedoch die Lok Teppo »Teddy Rok« Mäkynen, der nicht nur an Drums und Percussion ein Fels in der Brandung ist, sondern auch als Produzent dafür sorgte, dass Koskinens Jazz-Train in der Spur bleibt und sicher ankommt. Vom Abschied nehmen und Ankommen, von Bewegung handelt das Album. Züge bewegen uns. Briefe bewegen uns auf eine andere Art. Sowohl mit Briefen als auch mit Zügen verbinden wir automatisch etwas Nostalgisches, Zeitloses, absolut passend zum grandiosen Big Band Sound des K.K.O. Der modern Jazz der 50er und 60er mit Soul Jazz-Anklängen wirkt vertraut und zeitgemäß zugleich. Besonderheiten wie das von Kerkko selbst gespielte Harpsichord oder das Verlesen zweier Briefe tragen dazu bei, Trains and letters mit Leichtigkeit über durchschnittliche Standard-Huberei zu heben.

 

Ein interessantes Projekt lässt uns den Namen Dave Formula durch die Hirnwindungen wabern. Wer war das noch mal? Richtig: Formula war Mitglied der Post-Punk Legende Magazine, hierzulande eher übersehen. Nach der Auflösung von Magazine war Formula allerdings auch für zwei Alben Mitglied bei den äußerst erfolgreichen Visage. Fade to grey lautet der allseits bekannte Hit von deren Debüt aus dem Jahre 1980. Ein Album, das übrigens auch heute noch von vorne bis hinten überzeugt. Im Jahre 2011 macht sich Formula zusammen mit der kanadischen Cellistin Christine Hansen daran, die akustischen Klangräume zwischen Jazz, Kammermusik und elektronischen Soundscapes auszuloten. Unter den Gästen, die dabei aushalfen, findet sich doch tatsächlich auch Daves Ex-Kollege Howard Devoto, der auch bei den stilprägenden Buzzcocks mitwirkte. Ein mutiger und gelungener Ausflug alter Haudegen in gänzlich andere Klangwelten. Deutlich angenehmer zu hören als Lou Reeds Versuch, sich an der Seite Metallicas neu zu definieren.

 

Äl Jawala ist arabisch – und bedeutet soviel wie die Reisenden. Mit Sicherheit ein gut gewählter Name für die Truppe aus Freiburg, die auf den Bühnen aller Herren Länder steht und dem Publikum mit ihrem Gypsy Brass Sound Beine macht. So ist auch The Ride, das sechste Album der Formation, von Erlebnissen on the Road inspiriert. Die Stücke liefern Geschichten und Bilder und versetzen uns auf eine rumänische Roma-Hochzeit, in einen Musikladen in Istanbul oder ein indisches Straßen-Restaurant in Toulouse. Der fette Sound wird vor allem von den Bläsern – unter anderem zwei Saxofone – und treibende Percussion bestimmt. Genregrenzen spielen dabei keine Rolle. So treffen osteuropäische auf nordafrikanische Einflüsse. Nicht zuletzt dank einer feinen Produktion und einer ordentlichen Kelle R'n'R-Spirit lassen die Freiburger den Großteil ähnlich ausgerichteter Bands leicht hinter sich.

 

Das Cover von The Green gibt nicht unbedingt Hinweise auf die zu erwartende Musik. Ich dachte zunächst an eine Hardrock-Nachwuchs-Truppe mit Hang zum Fantasie-Kitsch. Weit gefehlt: Bei der Band handelt es sich doch tatsächlich um vier Hawaiianer, die den Reggae zu ihrer Sache gemacht haben! Auf Ways & Means bekommen wir Roots Reggae mit R&B-Färbung und deutlicher Pop-Ausrichtung geboten. Besonders hervorzuheben sind dabei die gelungenen Gesangsharmonien. Thematisch beschäftigt man sich mit der hawaiianischen Geschichte und Kultur, macht aber nicht halt vor alltäglichen Themen. Sehr erfrischend, entspannte Reggaesounds ohne Anbiederungen an die Rastafari-Kultur, ohne Weiber- und Kiffer-Klischees, zu hören. Die Trompete schaut hier nur ausnahmsweise vorbei.

 

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