Was Spannendes, was Süßes und was zum Spielen. So – oder so ähnlich lautet ein beliebter Werbespot für ein Ei der besonderen Art. Melissmell hingegen versucht sich an einer Melange aus Poesie, Melancholie und Rock´n´Roll. Eröffnet wird der Reigen mit zwei Stücken in guter »Chanson trifft Pop-Tradition« – garniert mit Streichern, Piano und einem etwas übertrieben vorgetragenem Pathos in der Stimme. Das folgende Sobre la muerte offenbart den Wahrheitsgehalt des Vorurteils, dass Frankreich und Rock einfach nicht so recht zusammenpassen wollen. Das klingt nach Melissa Etheridge mit Nirvana-Riff, inklusive Smashing-Pumpkins-Schmalz und Wah-Wah-Genudel.
Beim Gesang von Melissmell kommt man nicht umhin, das Unwort »Rockröhre« aus der Mottenkiste zu holen. Aus selbiger kommt nun mal diese Art von Rock. Melissmell möchte mithilfe ihrer Leihmusiker auf ihrem Debüt das Portrait der Frau am Anfang des 21. Jahrhunderts zeichnen. Einfühlungsvermögen und Romantik sollen ebenso wie Durchsetzungskraft und Stärke vermittelt werden. Dies ist für die meisten Frauen – und auch Männer! – ein Spagat, der in der heutigen Gesellschaft ja nicht immer zufriedenstellend gelingt. Der gefühlvolle Anteil scheint hier besser dargestellt als der kraftvoll-kämpferische. Inwiefern der erklärte Anspruch erfüllt wird, Spuren der melancholischen Poesie großer französischer Dichter zu transportieren, mag ich aufgrund meines Schulfranzösischs nicht beurteilen. Mir scheint aber, insgesamt hat sich Melissmell etwas zu viel auf einmal vorgenommen für ein Debüt-Album, das durchaus seine Momente hat.