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Samstag, 26. Mai 2012 | 02:21

Sharon Jones & The Dap Kings: Soul Time!

18.11.2011

Soul Cookin´

Adele, Duffy, die arme Amy Winehouse, Joss Stone: Singen können diese Damen ja alle. Aber wenn’s Retro-Soul sein soll, findet CHRISTOPH HAAS, dann doch bitte gleich die Königin dieses Genres, die unvergleichliche Sharon Jones!

 

Muss man sie noch vorstellen? Sharon Jones, geboren 1958, versuchte in den Siebzigern vergeblich, im Musik-Business Fuß zu fassen und arbeitete dann in einer Reihe nicht allzu angenehmer bürgerlicher Berufe, unter anderem als Gefängniswärterin. Erst im Jahr 2002 konnte sie, dank des kleinen New Yorker Daptone-Labels, ihre erste CD herausbringen – und wird seitdem weltweit von Black Music-Connaisseuren verehrt.

 

Say it loud: I`m not young and proud!

Soul Time! ist nun ihr fünftes Werk, auf dem sie wieder von den Dap-Kings, ihrer bewährten und fabelhaften Band, unterstützt wird. Los geht’s mit dem zweiteiligen Genuine: Hier hält Jones sich eher zurück, gibt ihren Begleitern dafür um so mehr die Gelegenheit, einen Funk-Kracher im reinsten James Brown-Stil zu zelebrieren. Dagegen lässt sich auch kaum etwas einwenden – außer, dass es vielleicht in dramaturgischer Hinsicht keine gute Idee war, ausgerechnet mit diesem Titel zu beginnen: Er hätte, als eine Art Zwischenspiel, besser in die Mitte gepasst.

Zu großer Form läuft Jones dann im zweiten Titel auf, dem balladesk-bekenntnishaften Longer and Stronger, in dem sie den herablassend als »pretty young things« bezeichneten R&B-Kolleginnen unmissverständlich ihre Sicht der Dinge als reife Frau klarmacht: »Longer and stronger, that’s how I live, / The more I get, the more I got to give. / 50 years or so gone by and 50 more to come. / You think, You’ve seen something, / But, Lord, I’ve just begun.«

 

Beachtlich ist auch What If We All Stopped Paying Taxes?, das in seinem politischen Anspruch direkt an Money, einen der besten Titel des Vorgängeralbums I Learned the Hard Way, anschließt. Mit Ain’t No Chimney in the Projects, einer Erinnerung an ihre Kindheit in den Slums, gelingt Sharon Jones sogar ein ebenso rührendes wie unsentimentales Weihnachtslied.

 

Leckere Resteverwertung

Insgesamt kann Soul Time! aber nicht ganz an das Niveau der Vorgängeralben anknüpfen. Es gibt keinen wirklich schwachen Song, aber weniger mitreißende. Das mag daran liegen, dass nicht das ganze Material neu geschrieben wurde: Einige der Titel sind schon auf Singles erschienen, anderes wurde bislang nur live gespielt. So schmeckt das Soul Food, das Sharon Jones diesmal serviert, ein bisschen nach Resteverwertung – für Fans aber sicherlich immer noch lecker.

 

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