Diese allgemeine Sympathie war beim Konzert gut zu spüren. Mehta und das Orchester verschmolzen schon beim Eröffnungsstück des Konzertabends, Schuberts Ouvertüre zu Rosamunde, Fürstin von Zypern, zu einer Einheit und der Dirigent verschwand in seinem Orchester wie die Unruh in einem Uhrwerk.
Auch beim Publikum erweckte Mehta den Eindruck, ein liebenswerter Gentleman zu sein. Die Art, wie er auf die Bühne kam (und beim zahlreichen Applaus heraus- und wieder hereinging), hatte zwar auch etwas Drolliges, vor allem strahlte Mehta jedoch die Würde und Ruhe, aber auch die Bescheidenheit eines großen Dirigenten aus, die man in München lange vermisst hatte.
Die sechs Lieder in Mahlers Orchesterstück wurden abwechselnd vom Tenor Peter Seiffert und vom Bariton Thomas Hampson gesungen, wobei Letztere seine große Vertrautheit mit dem Werk schon dadurch zeigte, dass er seinen Text auswendig konnte. Das ist für einen Mahler-Spezialisten wohl nichts Außergewöhnliches und darf dem hier eventuell weniger versierten Seiffert nicht angekreidet werden. Hampsons Einfühlung in die Musik stach aber doch hervor.
Der eigentliche Star des Abends war jedoch Moritz Eggert, dessen Stück Puls am Donnerstagabend uraufgeführt wurde. Das von den Münchner Philharmonikern in Auftrag gegebene Werk besticht durch Witz und Eleganz und bewegte das Publikum durch seine große rhythmische Kraft, die an elektronische Tanzmusik erinnert und auch manches Bein auf der Bühne und in den Reihen wippen ließ.
Dem Orchester verlangte die Komposition einiges ab, was die Philharmoniker jedoch bravourös meisterten. Es schien sogar, als habe das Stück eine besondere Spielfreude geweckt. So konnten die Bravo-Rufe und der große Applaus nicht überraschen, wenngleich Eggerts Komposition alles andere als gefällig zu nennen ist.
Der Konzertabend erreichte mit dem Beifall für Eggert, Mehta und die Münchner Philharmoniker zur Halbzeitpause seinen Höhepunkt. Das in der zweiten Hälfte gefeierte Lied der Erde wirkte hingegen weniger stark.
Bleibt zuletzt die Frage, was beide Stücke miteinander verbindet. Eggert sagt selbst, sein Stück sei »einzig und allein auf einem durchgehenden Puls aufgebaut wie auf einem Herzschlag«. In Korrespondenz zu Mahlers Lied von der Erde könnte hier also, wenn auch nicht von einem Lied, vielleicht von einem Klang des Körpers gesprochen werden. Immerhin verzichtet die Komposition »auf jegliche konventionelle Gliederung oder traditionelle Kompositionstechniken [und] bleibt […] bewusst in einem Klangraum«. Mehr als diese abstrakte Verbindung erscheint jedoch schwierig auszumachen.