Herb Ellis und Joe Pass gehören zu der Handvoll überragender Jazzgitarristen, die das Saiteninstrument der spezifischen Sprache des Jazz nutzbar machten, ehe es in der Rockmusik in völlig anderer Weise ins Zentrum rückte und im wörtlichen Sinn den Ton angab. Auf der vorliegenden CD, die Aufnahmen aus dem Jahr 1974 enthält, bekennen sich die zwei zum »leisen« Ursprung der Gitarrenmusik. Sie spielen Standards und zwei Eigenkompositionen nach einem Muster, das zwei Möglichkeiten des Zusammenspiels nützt: Entweder das Thema wird über einen Chorus oder auch mehrere Chorusse hinweg zweistimmig variiert, die beiden Herren improvisieren gemeinsam. Oder das Duo wechselt sich im Part der Rhythmusgitarre und der Melodiegitarre ab. Das lässt Raum für Improvisationen über dem vertrauten Harmonieschema. In einer relaxten, aber durchweg swingenden Stimmung gehen Herb Ellis und Joe Pass aufeinander ein und können doch, jeder für sich, ihre Ideen entfalten.
Diese Musik ist von einer wohltuenden Freundlichkeit, aber keinen Moment banal oder süßlich. In gewisser Hinsicht ist sie der barocken Kammermusik näher als anderen Ausprägungen des Jazz. Ob da die Gitarre doch ihr Recht beansprucht, trotz Elektrizität und Technik?