Es ist schwer zu beschreiben, was Nurse With Wound aus dem erst kürzlich auf Southern Lord neu veröffentlichten Drone/Doom-Klassiker gemacht haben. Der mark- und erderschütternde, röhrende Gitarrensound, der das elf Jahre alte SUNN O)))-Album trägt, es eigentlich ausmacht – er ist einfach nicht mehr da. Oder? Irgendwie hängt er noch in der Luft, als nervöses Brummen, ganz hinten im Mix, fast unkenntlich, irgendwie elektronisch, abstrahiert. Dysnystaxis (… A Chance Meeting With Somnus) jedenfalls ist schwerlich als Remix, als Neubearbeitung, zu erkennen. Mehr als 19 Minuten entwickelt sich nichts von dem harschen Charakter, den das Original ausmacht. Eine trostlose Streichermelodie steht einsam und verlassen im Raum, irgendwann gibt ein überraschend warmer Bass dem Stück etwas Kontur – das war’s aber auch schon.
Nurse With Wound, geführt von Steven Stapleton, hat aus ØØ Void etwas Neues, sogar etwas sehr eigenes gemacht. Das stieß den Fans des amerikanischen Duos schon bei der Erstveröffentlichung der Tracks auf der Special Edition des Albums etwas ungut auf, das dürfte sich nicht wirklich ändern. Ra at Dawn – oder besser, was davon übergeblieben ist – wird von Stapleton in zwei Teile geschnitten, Ash On The Trees bewahrt zwar noch am ehesten den Charakter des Ausgangsmaterials, aber die Vocals von Pete Stahl wirken doch arg fehl am Platz.
Man kann es drehen oder wenden, wie man will: Nurse With Wound haben den Sound von SUNN O))) seziert, die einzelnen Teile rausgeschnitten und sich im Labor einen frankensteinesken Bastard zusammengeschraubt. Als Fan kann man da schon wütend werden – wo steckt eigentlich das Original? Das ist nicht das, was man erwartet hatte, das ist irgendwie… Verstörend. Das ist andererseits genau das, was The Iron Soul Of Nothing wieder wichtig macht.
Stephen O’Malley und Greg Anderson werden, so scheint es zumindest, mehr und mehr auf den Trademark Drone/Doom-Sound reduziert, den sie in Anlehnung an Earth um die Jahrtausendwende geprägt haben. Und wo die Klischees sich einstellen, da braucht es jemanden, der sie wieder freischlägt. In dem Fall könnte das Nurse With Wound sein, deren Neubearbeitung des Albums seine schwächsten Stellen dort aufweist, wo er zu sehr nach SUNN O))) klingt und seine stärksten dort, wo er wirklich zu verstören weiß. Das mit einer so geübten Hörerschaft anzustellen ist schon eine Meisterleistung an sich.