Bemerkenswert
Jetzt liegt die Salzburger Inszenierung als DVD vor. Kurt Weills Kompositionen bilden in der Parabel über eine Gesellschaft, in der es das größte aller Verbrechen ist, kein Geld zu haben, mehr noch als in der Dreigroschenoper mit Brechts Libretto eine Einheit. Die Hochachtung für diese Musik drückt sich auch in der Besetzung aus. Mit Dennis Russel Davies hat man sich einen der profiliertesten Kenner der Musik des 20. Jahrhunderts nach Salzburg geholt, mit dem Radio-Symphonieorchester Wien, dessen Chefdirigent Davies damals war. Man kann Mahagonny auch von Schauspielern singen lassen. Wenn man sich aber für große Oper entscheidet, dann darf man mit Stimmen nicht geizen. Für die Rolle der Leokadija Begbick stand in Salzburg Gwyneth Jones zur Verfügung. Sie spielt die Puffmutter als elegante Geschäftsfrau, emanzipiert und selbstbewusst, ganz die »Dame«, zu der sie im wirklichen Leben geadelt wurde. Catherine Malfitano gibt die Jenny mit herausfordernder Erotik. Sie scheint die ideale Besetzung. Bei den Männern arbeitet Zadek das Komödiantische heraus, die Clownselemente, die Brechts Libretto ebenso enthält wie Becketts Warten auf Godot. Und auch die Revue, die er sowieso schätzt, beutet Zadek für sein Mahagonny aus.
Das Bühnenbild von Richard Peduzzi und die Kostüme von Norma Moriceau sind im Vergleich zu den Entwürfen von Johannes Grützke, mit dem Peter Zadek sonst gern zusammenarbeitete, eher konventionell. Allzu sehr sollte das Salzburger Publikum offenbar nicht überfordert oder gar erschreckt werden. Immerhin ist die Handlung, wenn man sie ernst nimmt, provokant genug.
Nein, an die großen Sprechtheater-Inszenierungen Zadeks kommt dieses „Mahagonny“ nicht heran. Aber bemerkenswert ist doch, dass der Regisseur, der zum politischen Theater eher kritische Distanz bewahrte, ausgerechnet hier, in der Oper, gegen Ende zunehmend, seine vielleicht politischste Arbeit abgeliefert hat. Ist das der Überzeugungskraft Brechts zu danken? Der Überzeugungskraft eines Dichters, der wusste, dass auch politische Kunst nur dann ihre Wirkung entfalten kann, wenn sie vor allem eins ist: Kunst.