Hugo Portisch ist einer der profiliertesten und besten österreichischen Journalisten. Er hat die Verwüstungen des Zweiten Weltkriegs und den anschließenden Wiederaufbau bewusst erlebt und journalistisch begleitet. Mit der 77 Seiten starken Streitschrift Was jetzt legt er seinen Kommentar zur Euro-Krise vor, Fazit: »Europa und unsere Zukunft sind zu retten. Man muss es nur wollen – und tun.«
Portisch lenkt den Blick zurück. Er referiert in einer klaren, einfachen Sprache, warum und wie die Europäische Union entstanden ist, warum der Euro eingeführt wurde. Seine These: Es waren immer politische Entscheidungen, die zu wirtschaftlicher Zusammenarbeit und wirtschaftlichem Zusammenwachsen geführt haben. Die Zeiten, die die Europäische Union wachsen ließen, waren Zeiten, in denen die Politik die Richtung vorgab – nicht die Finanzmärkte.
Die EU ist für Portisch ein Erfolgsmodell. Sie habe in der langen Geschichte Europas einen bisher einmaligen Frieden auf dem Kontinent geschaffen. Und sie sei ein Magnet für die jungen osteuropäische Staaten und deren demokratische Reformen.
Daher sieht Portisch in der aktuellen Krise auch eher eine Krise der Politik und der politischen Führung. Die gewählten Volksvertreter hätten es versäumt, Entscheidungen zu fällen und das Heft des Handelns an sich zu reißen, und sie hätten es versäumt, Europa zu erklären und dafür zu begeistern. »Aber schuld sind nicht die Medien, schuld sind jene, die sich zwar wählen lassen, aber ihren Wählern nicht zeitgerecht und nicht zeitaufwendig zur Erklärung der Politik und der Vorgänge in der EU zur Verfügung stehen. Die Wähler sollen sie zwar mit Mandaten ausstatten und somit für ihr Dasein im Parlament und in den Institutionen der EU sorgen, aber ihrer Aufklärungspflicht gegenüber dem Wähler kommen sie nicht oder doch nur sehr selten nach.«