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Samstag, 26. Mai 2012 | 02:27

Fujako: Landform

15.12.2011

Mit besten Grüßen aus der kreativen Isolation

Jonathan Ulliel Saldanha (alias HHY) und Nyko Esterle (alias Ripit) haben sich in die portugiesische Bergwelt zurückgezogen und ausgetobt. Das Projekt Fujako lässt wilde Dronescapes auf Feldaufnahmen, allerlei exotisches Instrumentarium und …  ja, auf gebrochene Hip Hop-Beats treffen. Garniert von einer Schar von Gast-MCs, die gehörig urbanen Flair in den Soundtrack der Einöde transportieren, den beide Produzenten auf Landform geschaffen haben. Von KRISTOFFER CORNILS.

 

Es ist ein ehrgeiziges Projekt, das der Portugiese Saldanha und der Franzose Esterle in der selbstauferlegten Isolation unweit von Porto gestartet haben. Auf zurückhaltend geschichtete Drones und Feldaufnahmen legen sie Beats, die – wie auf dem Opener Sulfur Goat – so ätzend daherkommen, dass es fast schon wehtut. »It’s my kinda music« äußert sich Rapper Sensational auf dem Track und wirft eigentlich erst recht die Frage auf: Wessen Musik ist das eigentlich? Wo kann man die ungeloopten Schlagzeugbeats einordnen? Wen soll das ansprechen? Die Antwort liegt schon nach der ersten Seite der schön aufgemachten Doppel-LP auf der Hand: All diejenigen, die es gerne sehen, wenn sich Hip Hop aus seinen Konventionen heraus traut. Und all diejenigen, die absolut nichts dagegen einzuwenden haben, dass experimentelle Klangkünstler auf dem Boden der Tatsachen bleiben.

 

Leichte Kost bietet Landform keineswegs, und trotzdem bieten die sieben Tracks noch einige Hooks. Die gerieren sich immer noch reichlich obskur über den exotischen Instrumenten, den mysteriösen Drones und Dub-Elementen. Aber sie funktionieren. Bitterböse klingt das stellenweise, staubtrocken, fast ein wenig nach Weltuntergang und dabei noch erstaunlich zeitgeistig, trotz aller musikalischen Verschrobenheit. Saldanha und Esterle gucken nicht über den Tellerrand – in der sonischen Parallelwelt, die sie sich in der Abgelegenheit geschaffen haben, gibt es so etwas gar nicht erst.

Die Dreistigkeit, mit der die beiden Genrebending betreiben, schleppt sich manchmal noch etwas dahin – Preparation und Ahjar Phantom zielen etwas an der einzigartigen Atmosphäre der restlichen Tracks vorbei – erweist sich aber letztlich als goldrichtige Kernkompetenz, um ein fantastisches Album vorzulegen. Die perfekte Synthese der unterschiedlichen Klangwelten stellt sich im Finale Stone Fire ein: Scalper lässt nach einigen Minuten spannungsreichem Aufbau ein paar wütende Lines mit utopischem Charakter (»Crush my hell / be my heaven«) los und bekommt dabei kräftige Unterstützung von acidtriefenden Bläsern – monumental.

 

Spätestens Stone Fire stellt den Beweis an, dass solche Experimente wie sie Fujako anstellen nicht nur ihre Berechtigung haben, sondern auch voll aufgehen. Ein fast zehn Minuten langer Track, sparsam instrumentiert und trotzdem voll auf den Punkt – episch lang und ein absoluter Hit. So schließt mit besten Grüßen aus der kreativen Isolation eines der interessantesten Alben des Jahres.

 



 

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