Thomas Kistner: Fifa-Mafia Men in Black 3 - jetzt im Kino! von Michael Ebmeyer David Small: Stiche. Erinnerungen "Bacon Talks": Frankfurts Schauspielintendant Oliver Reese schreibt ein Stück und inszeniert Der FUTTERblog - streng verdaulich!
Samstag, 26. Mai 2012 | 02:27

Reliq: Minority Report / Serph: Winter Alchemy

15.12.2011

Soundschichtungswut und grundlegende Entspanntheit

Wenig ist von Serph bekannt, nur dass es sich dabei um das Projekt eines jungen Tokyoters handelt. KRISTOFFER CORNILS hat pünktlich zur Weihnachts-EP Winter Alchemy herausgefunden, um wen es sich handelt: Um… Trommelwirbel… Reliq! Und der präsentiert jetzt sein Debüt. Klingt nach zu viel des Guten? Jein.

 

Weniger ist manchmal mehr! Das will die Bauernschläue dem Japaner nach den ersten paar Tracks von Reliqs Minority Report zurufen. Denn nicht nur mit der Pynchonesken Geheimniskrämerei und der Pseudonymsammelei übertreibt es der Japaner etwas. Hektische Beats werden von zitternden Arpeggien überlagert, hier und da killen verquere Vocal-Sampels die Harmonie und zu guter letzt sorgen ein paar clicks & cuts für den endgültigen auditiven Overkill. Als Reliq verliert der Produzent über seine Soundschichtungswut zudem noch etwas den Überblick im Songwriting – die Tracks zappeln ohne erkennbaren Spannungsbogen vor sich hin. Wirklich schlecht hört sich das nun auch nicht an, die eine oder andere zuckersüße Melodie findet durch das Klangchaos doch ihren Weg in die Gehörgänge. Reliq schrammt haarscharf an der undifferenzierbaren Kakofonie einer japanischen Pachinko-Spielhölle vorbei und schafft es noch durch vereinzelte gut platzierte Breaks, für etwas Dynamik zu sorgen. Minority Report kommt überambitioniert daher und liegt eigentlich unter dem Niveau des japanischen Künstlers, wie das zeitgleich erschienene Release seines ursprünglichen Alter Egos beweist.

 

Serphs Winter Alchemy zeigt sich von einer besinnlicheren Seite. Klar, schließlich handelt es sich um eine Weihnachts-EP, die Motive von westlichen Klassikern aufflackern lässt und sie ordentlich durchdekonstruiert. In der Instrumentierung lässt Serph kein Klischee aus, lässt die Glöckchen klingen und verliert sich trotzdem nicht im Kitsch. Auf Twinkler spielt der Japaner seine volle Stärke aus – IDM-Reminiszenzen treffen auf eingängige Melodien, und trotz aller gebrochener Beats überwiegt doch eine grundlegende Entspanntheit. Die gesamten sieben Songs schmecken dankenswerterweise weniger nach Zimt und Mandarinen. Die EP hat in all ihrer Liebäugelei mit poppigem Feeling einen sehr japanischen Touch und dürfte im Plattenschrank neben World’s End Girlfriend und NAKASHIMA Motohiros frühen Alben ganzjährig bestehen. Wo Reliq nicht überzeugt, da punktet Serph umso mehr – vielleicht doch ein Vorteil der dissoziativen Musikerpersönlichkeit, die sich in Rätsel hüllt.

 



 

| kommentar schreiben

Name:
Kommentar:

Von der Verrohung des Bürgertums

Ja, die Welt ist schlecht, weil ungleich. Aber hurra – wir tun doch was! Das Netzwerk der »Tafeln« sorgt dafür, dass auch Hartz-IV-ler würdig ...

Licht wo zu viel Schatten lag

Jetzt mal ehrlich, das Buch Fifa-Mafia von Thomas Kistner ist keine einfache Kost. Zu ungebremst und schnörkellos werden einem hier schallernde Fakten um die Ohren gehauen. ...

Lämmer in der Obhut von Wölfen

Das europäische Mittelalter war nicht gut zu Frauen – zumindest wenn wir heutige Kriterien anlegen. In jedem Fall aber war es eine schlechte Zeit für die wenigen Frauen in ...

Vorschlag zur Güte

Reiß mir bitte reiß mir doch

in meinen Etat ein Loch

stopf zwei drei deiner Sorgen rein

und bald wird wieder Frühling sein

»Die Wahrheit ist ein scheues Kind ...«

Mit dem Roman Tannöd begann 2006 die erstaunliche Karriere der Andrea Maria Schenkel. Der Nachfolger, Kalteis (2007), bewegte sich noch ganz im Dunstkreis des erfolgreichen ...

Valium im schwarzen Anzug

Die MIB-Filmreihe von Regisseur Barry Sonnenfeld komplettiert sich nun zur Trilogie und tischt dem Zuschauer das Alte vom Vortag nochmal neu auf – nur diesmal in 3D. Lasst euch vom ...

Ecce Homo

»Siehe, der Mensch!« - so wird allgemein Ecce Homo übersetzt. Napoleon soll Ähnliches zu Goethe bei ...