Buntes Allerlei
Auf dem roten Cover finden sich die Bilder von zehn der 24 ausgewählten Schweizerinnen – hätte man da nicht eine glücklichere Lösung finden können, die allen ein briefmarkengroßes Plätzchen gewährt? Wenigstens auf der Rückseite sind alle Namen aufgelistet, in der Reihenfolge, in der sie auch im Buch präsentiert werden: Mabel Zuppinger-Westermann, die »Coco Chanel von Zürich«, die durch ihre Verbindungen in den 1930er Jahren das Geld auftreibt, um die Weltwoche zu retten. Lydia Welti-Escher, eine unglückliche Kunstförderin und Mäzenin, die 1890, nachdem sie ihren Mann verlassen hat, für verrückt erklärt wird und in der Irrenanstalt landet. Meret Oppenheim, eine der wichtigsten Vertreterinnen des magischen Surrealismus. Oder die Sozialpolitikerin Emilie Lieberherr, die es nur dadurch in den »Weltwoche-Frauenolymp«, wie Margrit Sprecher in ihrem Vorwort die Zusammenstellung nicht ohne Ironie betitel, schaffte, dass sie kurz vor Beendigung der Serie im Januar 2011 starb.
Sie lesen sich flott und schnell. Jeweils ein einstimmender Teaser, ein ganzseitiges Foto, dann dreieinhalb Seiten Biografie. Daten und Fakten sind zurückgenommen, es geht um lesbare, eingängige Texte, die Anekdoten einbauen und emotional eingefärbt sind. Jede Biografie steht für sich. Der Geschichte von Madame de Staël – die für mich bisher Französin war –, folgt die der adeligen Wiborada, die im Jahre 926 den Märtyrerinnentod starb und als erste Frau von Rom heiliggesprochen wurde und daran schließt sich die erste Frauenärztin Europas mit eigener Praxis, Marie Heim-Vögtlin, an.
Als Reihe in einem Wochenmagazin mag das ganz spannend und amüsant zu lesen sein. Als Sammlung in einem Buch vermisst man den roten Faden, wünscht sich, vielleicht doch etwas Zusammenhängendes über die Schweizer Frauenbewegung zu erfahren, über historische Veränderungen und emanzipatorische Ansätze. Vieles davon ist irgendwo in diesen Porträts versteckt, zu mühsam für die Außenseiterin sich das Gesuchte daraus zusammenzubasteln. Und dann vermisst man doch Namen wie Elise Honegger, die 1939 geborene Frauenrechtlerin, die den ersten Zusammenschluss der schweizerischen Frauenorganisationen auf nationaler Ebene initiierte, den Schweizer-Frauen-Verband, dessen erste Präsidentin sie wurde. Oder den von Marie Goegg-Pouchoulin, die als erste Frauenrechtlerin der Schweiz gilt und ein der wichtigsten Kämpferinnen für das Frauenstimmrecht war.
Ach ja, wenn man »Bekannte Schweizerinnen« googelt, liefert Swiss World nicht nur – wie das Margrit Sprecher in ihrem Vorwort bejammert – als einzigen Namen Ursula Andress und ihre Rolle als Bondgirl, sondern immerhin auch Marie Grosholtz Tussaud, Gründerin des Wachsfigurenkabinetts in London, die Heidi-Erfinderin Johanna Spyri, die Reisereporterin Annemarie Schwarzenbach, die Sportlerin und Schriftstellerin Ella Maillart sowie noch zwei lebende Berühmtheiten, die erste Schweizer Bundespräsidentin Ruth Dreifuss und die Videokünstlerin Pipilotti Rist. Aber auch diese, in ihrer Auswahl merkwürdige Liste, wäre zu überdenken und zu ergänzen.