Diese undankbare Kälte wurde den Stuttgartern erleichtert durch die Benennung von Puhlmanns Nachfolger, der – das sollte nicht vergessen werden – unter Puhlmann immerhin ein gern gesehener Gast war. Jossi Wieler hat die Herzen erobert, noch ehe seine Intendanz anlief. Mit guten Gründen. Er ist in seinem öffentlichen Auftreten sympathisch, freundlich, ja liebenswert. Er verzichtet, ganz im Gegensatz zu vielen anderen Theaterleitern, auf lautstarke Ankündigungen und großmäulige Selbstbeweihräucherung. Und er ist, auf dem Gebiet des Sprechtheaters wie, zunehmend, der Oper einer der interessantesten, anregendsten Regisseure unserer Gegenwart.
Also ein Regie führender Intendant. Das muss kein Vorteil sein, ist es aber im Glücksfall. Es wiegt umso mehr, als Jossi Wieler die Stuttgarter Oper mit Nachdruck als Ensembletheater führen will. Dafür gibt es ebenfalls gute Argumente. Die Rückkehr zur Arbeit mit einem festen Stamm anstelle eines auf Stargäste fixierten Spielplans ist erstens ein demokratischer Akt, weil er Hierarchien abbaut, und trägt zweitens zu einer Profilierung des Hauses bei. Man wird, wenn Wielers Rechnung aufgeht, in Stuttgart und nur in Stuttgart sehen und hören können, was man nicht überall sonst zu sehen und hören bekommt. Zu diesem Zweck wird Jossi Wieler auch mehrere Inszenierungen im Jahr selbst übernehmen und auf Aufträge an anderen Orten, die er sich wohl aussuchen könnte, verzichten.