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Samstag, 26. Mai 2012 | 02:35

Toms Schnellgericht

02.02.2012

Musique Electrique

Sie leben. Die Stimmen vom neonfarbenen See an den blauen Feldern. Von TOM ASAM.

 

Das einzige was man am gemeinsamen Debutalbum von Benjamin Damage & Doc Daneeka bemängeln könnte, haben Sie schon wahrgenommen, bevor Sie diesen Satz gelesen haben. Das Cover – es ist doch eher nichtssagend. Dafür überzeugt der Inhalt umso mehr und dürfte dafür sorgen, dass der Name Modeselektor künftig noch öfter mit dem Label 50 Weapons in Verbindung gebracht wird.  Die Waliser Damage und Daneeka beginnen ihr Album They! Live mit Unterstützung der Sängerin Abigail Wyles eher ruhig, düster und gefühlvoll, bevor der dritte Track, Deaf siren, auch Schwerhörige wachrüttelt, um sicherzustellen, dass den darauf folgenden Hit Creeper keiner verpasst. Dieser ging dem Album schon voraus und gilt bereits als Deep-Rave Perle. Damit ist der Höhepunkt des Albums auch erreicht, das jedoch auch über die restliche Spieldauer mit seiner Bandbreite von Deep House über Techno bis zum Einsatz von Break Beats zu überzeugen weiß.

 

Die Ghost Story, die uns Blue Fields mit ihren Tracks erzählen, ist nicht wirklich spukig, aber auf alle Fälle spannend. Es passiert nicht alle Tage, dass sich ein kanadischer Produzent und DJ (Mike Shannon), ein japanischer Gitarrist (Takeshi Nishimoto) und ein deutschtürkischer Sänger (Fadila) zusammentun, um ihren eigenen Entwurf eine Synthese aus NuJazz und elektronischer Musik zu umzusetzen. Groovende und swingende Downtempo-Stücke schweben zwischen Himmel und Erde. Atmosphärisch dicht und detailverliebt produziert, stellt Ghost Story ein gelungenes Stück Ambient der phantasiereichen Art dar, bei dem auch Dub-Jünger zu ihrem Recht kommen. Anspieltipp: Best served cold, bei dem der kühle wie kühne Jazzentwurf besonders gut zur Geltung kommt.

 

Kaum verwehen die letzten Klänge der Ghost story, vernehmen wir Voices from the lake, die die ambienthafte Stimmung aufrecht erhalten und vorsichtig mit Techno kontrastieren. Die Italiener Donato Dozzy und Neel erzeugen mittels Loops und Wiederholungen einen hypnotischen Effekt, dem man sich gerne gänzlich hingibt. Die Stimmen vom See und andere (vermeintliche) Naturgeräusche scheinen  einem seltsamen  Zustand geschuldet, den der Hörer durchlebt, während er sich kurz vor Sonnenaufgang vom Clubsound der Großstadtnacht entfernt. Euphorisch und entrückt zugleich.

 

Hinter dem eher ungewöhnlichen Namen j.r. plankton stehen der Multiinstrumentalist Robert Ohm (Nomen est O(h)men) und Jens Strüber, der sich beim Label M=minimal zum Beispiel um Veröffentlichungen der Krautrocklegende Conrad Schnitzler kümmert. Der Eröffnungstrack ihres spannenden Albums neon erinnert nicht nur durch seinen Titel (musique electrique) an eine andere Legende: Kraftwerk. Diese geistern dem Hörer bei den folgenden vier (über-)langen Stücken allerdings eher deshalb durch den Kopf, da sie den Begriff »Menschmaschine« mitprägten. Mensch und Maschine machen die Metropole zum Dschungel (city jungle), trotz aller Sehnsucht nach reiner Natur (sundance, regen), gelangt der Mensch oft erst in der Symbiose mit der Maschine zu einer Schönheit, die ihm zeitgemäß scheint. Diese Kooperation von Mensch und Maschine ergibt auf neon ein Geflecht aus Krautrock und Electronica; sie ist Zitat wie Ausblick zugleich und wirkt alles andere als gekünstelt.

 

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