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Samstag, 26. Mai 2012 | 02:36

Jörg Fauser - Die Biografie

14.07.2004

 

And the Beat goes o­n

Pünktlich zum 60. Geburtstag widmet die Edition Tiamat dem deutschen Beat-Poeten Jörg Fauser eine Biographie, dessen Person und Werk weitestgehend in Vergessenheit geraten sind.


 

Viel ist nicht geschrieben worden über den Außenseiter, Junkie, Alkoholiker, Gossenpoet und wohl einzig wahren deutschen Beat-Schriftsteller Jörg Fauser. Weder der akademische Diskurs noch das Feuilleton schien sich nach seinem Tod im Jahre 1987 besonders für Fauser zu interessieren. Der Verlag Zweitausendeins brachte 1991 eine von Carl Weissner edierte 8-Bändige Gesamtausgabe heraus. Es folgte ein paar Jahre später ein Ergänzungsband mit bisher Unveröffentlichtem, dazu verpackte der Verlag die acht Bände in Zweitausendeins-typischer Manier in zwei Mammutbände. Doch auch diese verschwanden gegen 2000 aus dem Programm. Das Münchner Label Trikont wiederum bemühte sich um den Fauserschen Nachlass, indem es vor ein paar Jahren eine Doppel-CD mit Originalaufnahmen des Frankfurter Schriftstellers veröffentlichte - mitsamt lustigem hessischem Einschlag in der Intonierung seiner Gedichte und Erzählungen. Aber ansonsten: Ein fast untergegangener Band mit sämtlichen Briefen an die Eltern, doch viel ist das nicht.

Anders als bei Fausers Zeitgenossen Rolf Dieter Brinkmann steht allerdings kein unfähiger Nachlassverwalter im Weg, sondern schlichtweg das Desinteresse der deutschen Leserschaft. Mag Fauser mit seinem Kriminalroman "Der Schneemann" Erfolg gehabt haben, der bis zu einer Verfilmung mit Marius Müller-Westernhagen in der Titelrolle reichte, vergessen ist er trotzdem. Nur der unermüdliche Maro-Verlag führt die dort edierten Bände noch im Angebot, aber wer merkt das schon.

On the road ... again

Nun, da sich sein 60. Geburtstag (und auch sein 17. Todestag, starb er doch beim Nachhauseweg auf der Autobahn nach seiner Geburtstagsfeier) nähert, bekommt Fauser endlich wieder öffentliche Aufmerksamkeit sowie eine Biographie.
So schreibt Carl Weissner in der aktuellen Ausgabe des deutschen Rolling Stone einen etwas seltsamen Nachruf, der wohl den Stil der Beat-Epigonen in Deutschland imitieren soll, jedoch undurchsichtig bleibt.
Die Biographie von Penzel und Waibel lässt, zumindest was Faktizität angeht, keine Wünsche offen. Spannend ist sie jedoch nicht. Auf der einen Seite schwelgen die beiden Autoren, die die Kapitel einzeln und abwechselnd geschrieben haben, zu sehr im Namedropping und der Auflistung von Stationen in Fausers literarischem und journalistischem Werdegang. Auf der anderen versuchen sie sich zu oft im Jargon der 70er Jahre, vielleicht um die Atmosphäre nachzuempfinden, die ein Autor wie Fauser in seinen Texten verbreitet. Wenig Distanz zum Werk ist ebenfalls da, aber die erklärt sich wohl aus der Tatsache, dass man einen Autor lieben muss, will man ihn einer desinteressierten Öffentlichkeit näher bringen.

Aus diesem Grund allerdings ist "Rebell im Cola-Hinterland" ein Unterfangen, dem man nicht mit allzu viel Kritik begegnen sollte, denn auch wenn Fausers Lyrik und Prosa oft epigonal wirkt, ist sie im bundesdeutschen Raum doch ohne Beispiel geblieben. Und wer sich nicht in akribischer Recherche über die letzten Jahre mit spärlichen Informationen über den Autor versorgt hat, wird sich freuen, dass hier endlich alles kompakt und dennoch ausführlich dargelegt wird. Danke, dafür.

Sascha Seiler


Penzel, Matthias/Waibel, Ambros: Rebell im Cola-Hinterland.
Jörg Fauser - Die Biografie
Edition Tiamat 2004. Critica Diabolis 121
Hardcover, 288 Seiten
ca. 20.- Euro, ca. 34.00 SFr.
ISBN: 3-89320-076-2

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