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Samstag, 26. Mai 2012 | 02:37

Christian Schröder: Hildegard Knef

20.01.2005


Große Individualistin

Christian Schröder legt die erste umfassende Biografie des deutschen Weltstars vor, in dem manches klarer beleuchtet und deutlicher in den historischen und gesellschaftlichen Zusammenhang gestellt wird als in in Hildegard Knefs Autobiografie
Der geschenkte Gaul.

 

Aufregend und abwechslungsreich war das Leben der Hildegard Knef, das vor zwei Jahren zu Ende ging, mit manchen Höhen und vielen Tiefen. Sie selbst hat darüber in ihrer international beachteten Autobiografie „Der geschenkte Gaul“ und zwei weiteren Büchern Auskunft gegeben. Nun liegt die erste umfassende Biografie des deutschen Weltstars vor, in dem manches klarer beleuchtet und deutlicher in den historischen und gesellschaftlichen Zusammenhang gestellt wird, als sie es in ihrem unverkennbaren Hang zur Selbststilisierung hätte tun können.

Der „Tagespiegel“-Redakteur Christian Schröder schildert den Lebensweg und die Karriere einer großen Individualistin, die immer wieder Anstoß erregte, mit dem, was sie tat oder sagte, die die Menschen vor allem in Deutschland polarisierte. Da war ihr Nacktauftritt in der Schmonzette „Die Sünderin“, da war die Heirat mit einem amerikanischen Besatzungsoffizier (Kurt Hirsch), dessen jüdische Eltern vor Hitler geflohen waren, da war ihre Beziehung zu einem erheblich jüngeren Mann (David Cameron), der als ihre Beziehung begann, noch verheiratet war.
Obwohl sie in Deutschland kaum die Rollen bekam, in denen sie hätte glänzen können, und ihre Hollywoodkarriere in Ansätzen stecken blieb (Schröder macht nachvollziehbar, warum das so war), war sie nie ganz weg vom Fenster, erfand sie sich immer wieder neu, machte Furore als Musicalstar am Broadway, als Sängerin ihrer eigenen Lieder und als literarisch versierte Schilderin ihres eigenen Lebens, das von vielen Krankheiten überschattet war.

Schröder verschweigt aber auch nicht die Schattenseiten ihrer Persönlichkeit, ihren obskure Besessenheit von der Astrologie, ihre Launenhaftigkeit, die Kollegen und Lebenspartner zu spüren bekamen, ihre Verschwendungssucht. Die Bewunderung für diese einzigartige Frau mindert das um keinen Deut.
Eine Filmographie, eine Liste ihrer Bühnenauftritte und eine Diskographie ergänzen diese umfassende Darstellung einer außergewöhnlichen (Selbst)-Darstellerin.

Peter Kohl


Christian Schröder: Hildegard Knef – Mir sollten sämtliche Wunder begegnen
Aufbau-Verlag Berlin 2004
Gebunden. 448 Seiten (mit schwarzweißen Bildteil), 24,80 Euro
ISBN 3-351-02575-0

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