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Samstag, 26. Mai 2012 | 00:16

Lilly Freud-Marlé: Mein Onkel Sigmund Freud

12.05.2006

Die echte Lili Marleen schreibt über Sigmund Freud
Die Nichte Freuds schreibt ein persönliches Porträt über den Gründer der Psychoanalyse.Freud wäre soeben 150 Jahre alt geworden und die Verlage freuen sich über diesen Anlass. Derzeit häufen sich am Buchmarkt Bände über Freud: Abhandlungen, Biografien, Kurzfassungen, Kritiken, Aufsatzsammlungen, Briefwechsel.

 

Eine Tochter aus Freudschem Hause
Lilly Freud-Marlé war die Nichte Sigmund Freud, sondern angeblich auch das Vorbild des von Hans Leip verfassten und von Lale Andersen gesungenen Schlagers „Lili Marleen“. Freud hatte sechs Geschwister. Lilly (eigentlich Elisabeth) war die zweite Tochter von Maria und Moritz Freud. Sie war Schauspielerin und heiratete 1917 ihren Kollegen Arnold Marlé. Gemeinsam mit ihm emigrierte sie 1939 nach England, wo sie 1970 starb.

60 Jahre Verlagssuche
Ihr ganzes Leben bemühte sie sich um einen Verlag für ihr persönliches Buch, für das sie den Titel „Sigmund Freud. Aus den Memoiren seiner Nichte Lilly Freud-Marlé“ vorsah. Entstanden ist das Buch zwischen November 1944 und Herbst 1947. Schon 1947 kontaktierte sie Verlage. Irgendwann verschwand der Text. Erst Christfried Tögel, der Herausgeber dieses Bandes, entdeckte ihn 2003 in der Library of Congress in Washington überraschend wieder. Der Aufbau Verlag druckt das Buch nun 36 Jahre nach ihrem Tod und beinahe 60 Jahre nach seiner Entstehung.

Alles über o­nkel Sigi
Das Buch ist sicher keine durchstrukturierte Biografie. Die liefern andere, die sich dazu berufen fühlen. Es ist ein ganz persönlicher Bericht, sehr subjektiv, sehr liebevoll. Lilly Freud-Maré schreibt, wie o­nkel Sigi und seine Frau Tante Martha lebten, über das Elternhaus, einen typischen Tagesablauf, die Einrichtung des Arbeitszimmers, persönliche Vorlieben des großen o­nkels.

Ein privates Bild als Gegenpol
Über die Psychoanalyse erfährt man nichts. Dafür kann man mit den Augen einer schwärmerischen Schauspielerin auf einen Mann blicken, der wahrlich Bedeutung hat. Gerade jetzt, wenn in den deutschsprachigen Feuilletons Kontroversen über die Persönlichkeit Freuds geführt werden, darüber, wie gut oder schlecht er seine Tochter Anna förderte, er seine Schwestern unterstützte, seine Frau behandelte, bringt das vorliegende Buch eine andere Sichtweise. Hingebungsvoll, schwärmerisch und durch und durch subjektiv. Nur von der poetischen, zeitweise schwülstigen Sprache darf man sich nicht abschrecken lassen.

Maria-Bernadette Ehrenhuber


Lilly Freud-Marlé: Mein o­nkel Sigmund Freud. Erinnerungen an eine große Familie
Herausgegeben von Christfried Tögel
Aufbau Verlag 2006
Gebunden, 341 Seiten, 22,90 Euro
ISBN: 3351026307

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