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Samstag, 26. Mai 2012 | 00:17

Stefan Ernsting: Der rote Elvis

18.10.2006

 Unbekannter Superstar

Sympathisch an Ernstings Buch ist nicht zuletzt die Unaufgeregtheit, mit der er Dean Reed und seinem Leben nachgeht. Frei von Sensationslust und wilden Spekulationen ist
Der rote Elvis eine Biographie wie sie sein soll: gut recherchiert, ansprechend geschrieben und zurückhaltend in der Bewertung letztlich unklarer Sachverhalte.

 

„Dean Reed war der unbekannteste Superstar aller Zeiten. Er spielte in 18 Filmen mit, produzierte 13 Langspielplatten und pflegte Kontakte zu Politikern wie Salvador Allende oder Yassir Arafat.“ – Diese Kurzcharakterisierung findet sich in der Einführung von Stefan Ernstings Biographie über jenen US-Amerikaner, der als Erster Rockkonzerte jenseits des Eisernen Vorhangs gab. Differenziert und unaufgeregt zeichnet der 1969 in Frankfurt am Main geborene Autor Reeds Leben nach. Darüber hinaus enthält sein Buch auch Songtexte, eine Diskographie und eine Filmographie.

1938 in Lakewood bei Denver geboren, tourte Reed ab 1960 durch Argentinien, Peru und Chile, wo er sich für die Unidad Popular einsetzte. 1966 ging er in die Sowjetunion, 1972 in die DDR, wo er seine größten Erfolge als Rocksänger und Filmstar feierte: an der Seite von Hannelore Elsner in der Eichendorff-Verfilmung Aus dem Leben eines Taugenichts, aber auch und vor allem in Wildwest-Streifen.

Mit Privilegien gesegnet, insbesondere dem der unbeschränkten Reisefreiheit, demonstrierte der eher mittelmäßige Star gegen Kernwaffen und den Vietnamkrieg, unterstützte die prosowjetische Volkspartei in Afghanistan und schrieb Protestbriefe an den amerikanischen Präsidenten. Während Reed in der DDR für den „american way of life“ stand, sahen viele Amerikaner in ihm eher einen Verräter. Mehrfach wurde er in seiner Heimat unter dem Vorwurf des Anti-Amerikanismus verhaftet.

Doch mit der Zeit verblasste Reeds Wirkung, und im Juni 1986 fand man ihn ertrunken im Zeuthener See. Selbstmord, Unfall oder gar ein von der Stasi verübter Mord? Die zahlreichen Verschwörungstheorien wurden vor allem dadurch genährt, dass man die Todesumstände des Stars vertuschte. Ernsting favorisiert die These vom Selbstmord: „Dean Reed hatte sich nicht mehr verändern können, und seine wachsende Verzweiflung hatte in der Welt, die er sich selbst zurechtgelegt hatte, keinen Platz.“

Sympathisch an Ernstings Buch ist nicht zuletzt die Unaufgeregtheit, mit der er Dean Reed und seinem Leben nachgeht. Frei von Sensationslust und wilden Spekulationen ist Der rote Elvis eine Biographie wie sie sein soll: gut recherchiert, ansprechend geschrieben und zurückhaltend in der Bewertung letztlich unklarer Sachverhalte. Im Anhang finden sich neben Songtexten, einer Filmographie und einer Diskographie auch eine Bibliographie und ein Personenverzeichnis: Informationen, die aus dem lesenswerten überdies ein benutzerfreundliches Buch machen.

Frank Thomas Grub


Stefan Ernsting: Der rote Elvis. DEAN REED oder Das kuriose Leben eines US-Rockstars in der DDR. Aufbau Taschenbuch Verlag, Berlin 2006. 314 Seiten. 7,95 Euro.

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