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Samstag, 26. Mai 2012 | 00:17

Olivier Föllmi: Afrika

25.10.2006

Farbenprächtige Geschichten
„Der Welt zur Mahnung“, so steht es ganz dezent links unten auf der letzten Seite dieses einzigartigen Bildbandes. „Jedes Leben ist ein Leben. Auch wenn es ein Leben vor diesem Leben gibt, so ist doch keines älter oder würdiger als irgendein anderes Leben.“Fast übersieht man diese Zeilen, die in aller Bescheidenheit mahnend das Buch beschließen. Zeilen, die man fast übersieht, nachdem man, voll der Eindrücke aus der üppigen Bilderwelt eines begnadeten Fotografen wieder auftaucht.

 

„Afrika! Afrika! Ich verspüre den besonderen Klang dieses Wortes...Für sieben Monate fahre ich hin.“ schreibt Olivier Föllmi in seiner abschließenden Huldigung an Afrika. Es sind Gedanken ganz zum Schluss, denn kein Text soll den Genuss der außergewöhnlich schönen Bilder schmälern. Föllmi braucht auch nicht viele Worte: hier erzählen Fotografien farbenprächtige Geschichten, porträtieren einen ganzen Kontinent in Schönheit, Not, Reichtum und Armut, Überfluss und Entbehrung, Sitten und Gebräuchen. Menschen, Tiere, Landschaften und immer wieder diese wunderbaren Gesichter. Farben, Licht und Schatten, Wolken und immer wieder Stimmungen, die zu langem Verweilen einladen. Das Buch, großformatig mit 30 mal 38 cm und vielen zu beachtlichen Panoramen ausklappbaren Seiten, empfängt einen mit offenen Armen.

Begreifen, verstehen, nachempfinden

Quer durch Afrika reist Föllmi, hat Kontakt zu Menschen, verbringt Zeit mit ihnen, hört zu, nimmt auf, lässt in Bilder einfließen. „Ich bin ganz berauscht von dieser unbeschwerten Welt“ schreibt er über das Volk der Himba. In der Sahelzone hält er seine Eindrücke so fest: „Hier ist das Überleben sehr schwierig. Weit und breit kaum eine Menschenseele, kein Wasser. Nichts als Staub. Nicht alle Menschen haben die gleichen Lebenschancen...Diese völlig sinnlos gezogenen Grenzen trennen auf absurde Weise Menschen, die eigentlich zusammengehören.“ Deutliche Worte in einer Liebeserklärung an einen ganzen Kontinent. Föllmi fordert auf, sich auf die Bilder einzulassen, zu begreifen, zu verstehen, nachzuempfinden. Bilder, die dazu animieren, etwas auf den ersten oder auch zweiten Blick zu sehen, Zusammenhänge herzustellen, mit Wissen zu verknüpfen, das jeder für sich von Afrika hat.
"Das neue Afrika,“ so schreibt ein senegalesischer Philosoph im Vorwort, „weiß, dass Europa künftig mit ihm rechnen muss.“ Afrika dürfe sich dem Takt des Universums nicht mehr entziehen.

„Ich werde wiederkommen“

Trotz oder gerade aufgrund seiner fundierten Kenntnisse des Kontinents, überwiegt die Sinnlichkeit in Föllmis Aufnahmen. Fotographien, in die man eintaucht, weil kein Rand die Offenheit und die Einladung, dabei zu sein, stört, nichts engt ein. Voller Achtung und Respekt, Bewunderung und Faszination erkundet die Kamera immer wieder Gesichter, Kinder, Frauen, Männer, junge Gesichter und alte, makellos weiße Zähne, tief dunkelbraune Augen, ein offenes Lachen und Gesichter voller Schmerz, Hoffnung und Not. Sandstürme und Hitze, Wüste und Wasserstellen, Fischer und Jäger, Hirten mit ihren Herden, lebhafte Märkte. Ein buntes Kaleidoskop.

In einem Regenwald begegnen Föllmi und Team einem Wahrsager. „Aufmerksam studiert er, wie seine Krabbe auf Holzstäbchen reagiert. Er prophezeit uns, wir würden bald auf eine groß Reise gehen. Daraus schließen wir, dass es an der Zeit ist, nach Hause zu fahren.“ Aber Föllmi, und das nimmt man dem leidenschaftlichen Fotografen sofort ab, ist sich sicher: „Ich werde wiederkommen. So der Allmächtige es will.“

Barbara Wegmann


Olivier Föllmi: Afrika
Bildband
Knesebeck Verlag
Preis: 53 Euro
ISBN: 3896603973

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