Kennzeichen T - 25.05.2012 Thomas Kistner: Fifa-Mafia von Michael Ebmeyer Andrea Maria Schenkel: Finsterau David Small: Stiche. Erinnerungen Der FUTTERblog - streng verdaulich!
Samstag, 26. Mai 2012 | 00:19

Elena Tregubova: Die Mutanten des Kreml

02.01.2007


„Es ist verboten, Putin zu kritisieren“


Die Mutanten des Kreml ist ein hoch aktuelles und zugleich mutiges Buch von bestürzender Deutlichkeit.

 

„Die Geschichte eines Staates ist oft auch eine persönliche Angelegenheit und nicht nur die eines Kollektivs. […] Und genau deswegen beginne ich meine Erzählung mit der Geschichte, wie ich den Menschen kennenlernte, der eine fatale Rolle nicht nur in meinem Leben, sondern auch für das Schicksal meines Landes spielt“, erklärt Elena Tregubova am Ende des Vorworts zu ihrem Buch Die Mutanten des Kreml. Mein Leben in Putins Reich.

Eigentlich handelt es sich um zwei Bücher in einem, nämlich die überarbeitete und aktualisierte Fassung von „Geschichten eines Kreml-Diggers“ und „Der Abschied eines Kreml-Diggers“, die nun erstmals auch auf Deutsch vorliegen. Auf der Grundlage eigener Erlebnisse und Erfahrungen beschreibt Tregubova die Situation im heutigen Russland, insbesondere die Verbindungen zwischen Macht und Kapital und die Bedingungen für Journalistinnen und Journalisten.

Fünf Jahre lang hat sie für die Moskauer Tageszeitung „Kommersant“ gearbeitet. Als Kreml-Korrespondentin zunächst von Putin umworben, wurde Tregubova schon bald eine seiner schärfsten Kritikerinnen. So stellt sie fest: „Das heutige Russland ist ein Land, in dem zur Jagd auf alle unabhängigen Journalisten geblasen wird, die nicht das Loblied auf Putin singen wollen und ihn für den Völkermord in Tschetschenien kritisieren [...].“

Ihr Buch wurde zum russischen Bestseller – ein Erfolg, der jedoch seinen Preis hatte: „Erst verlor ich meine Arbeit, und dann wäre ich beinahe einem Anschlag zum Opfer gefallen.“ An anderer Stelle schreibt sie: „Das heutige Russland ist für mich ein Land, in dem Putin mir Berufsverbot erteilt hat.“ Boris Jelzin sieht die Journalistin als Gegenpol zu Putin: „Schade nur, daß wegen seiner Krankheit Jelzins klare Phasen immer seltener wurden.”

Tregubova berichtet, dass Putin „fünf unausgesprochene Informationstabus“ eingeführt habe. Nicht nur in den Medien werde nach bestimmten Regeln zensiert, von denen die erste laute: „Es ist verboten, Putin zu kritisieren.“ Werden diese Vorgaben nicht respektiert, drohen Sanktionen: „Ein Verstoß gegen Putins ‚Zensurpentagramm’ kann im heutigen Rußland einen Verlust der Arbeit, der Firma, des Aufenthaltsrechtes oder des Lebens nach sich ziehen.“
Die Mutanten des Kreml ist ein hoch aktuelles und zugleich mutiges Buch von bestürzender Deutlichkeit. Tregubova kann glänzend schreiben – ein Lob, das zweifellos auch den Übersetzerinnen Olga Radetzkaja und Franziska Zwerg gebührt. Allerdings mag den Leserinnen und Lesern, die immer wieder direkt angesprochen werden, trotz oder gerade wegen der lockeren Schreibe mitunter das Lachen im Halse stecken bleiben.

Die 1973 geborene Journalistin beschließt ihr Buch mit einem Appell an die europäische Politik. Sie ist „überzeugt davon, daß im 21. Jahrhundert gerade wir Frauen es sein werden, die die Welt auf ihre zarten Schultern nehmen, die sie besser machen, sie verändern müssen. Denn von dem Alptraum, den die ‚starken’ Männer in der Welt angerichtet haben, wollen dieselben Männer inzwischen offenbar selbst nichts mehr hören – zumal in dem Buch einer ‚schwachen’ Frau.“

Frank Thomas Grub


Elena Tregubova: Die Mutanten des Kreml. Mein Leben in Putins Reich. Aus dem Russischen von Olga Radetzkaja und Franziska Zwerg. Tropen Verlag 2006. 379 Seiten. 19,80 Euro.

Von der Verrohung des Bürgertums

Ja, die Welt ist schlecht, weil ungleich. Aber hurra – wir tun doch was! Das Netzwerk der »Tafeln« sorgt dafür, dass auch Hartz-IV-ler würdig ...

Licht wo zu viel Schatten lag

Jetzt mal ehrlich, das Buch Fifa-Mafia von Thomas Kistner ist keine einfache Kost. Zu ungebremst und schnörkellos werden einem hier schallernde Fakten um die Ohren gehauen. ...

Lämmer in der Obhut von Wölfen

Das europäische Mittelalter war nicht gut zu Frauen – zumindest wenn wir heutige Kriterien anlegen. In jedem Fall aber war es eine schlechte Zeit für die wenigen Frauen in ...

Vorschlag zur Güte

Reiß mir bitte reiß mir doch

in meinen Etat ein Loch

stopf zwei drei deiner Sorgen rein

und bald wird wieder Frühling sein

»Die Wahrheit ist ein scheues Kind ...«

Mit dem Roman Tannöd begann 2006 die erstaunliche Karriere der Andrea Maria Schenkel. Der Nachfolger, Kalteis (2007), bewegte sich noch ganz im Dunstkreis des erfolgreichen ...

Valium im schwarzen Anzug

Die MIB-Filmreihe von Regisseur Barry Sonnenfeld komplettiert sich nun zur Trilogie und tischt dem Zuschauer das Alte vom Vortag nochmal neu auf – nur diesmal in 3D. Lasst euch vom ...

Ecce Homo

»Siehe, der Mensch!« - so wird allgemein Ecce Homo übersetzt. Napoleon soll Ähnliches zu Goethe bei ...