Frank Kelly Rich: Die feine Art des Saufens
19.04.2007
Trink positiv!
Sie halten Nabokov für eine Wodka-Marke? Ihr Bürostuhl ist ein Barhocker? Sie vergessen manchmal, wie Reißverschlüsse funktionieren? Noch eben ein Bier trinken gehen, bedeutet für Sie unter Umständen, drei Tage später in einer anderen Stadt aufzuwachen? Dann wird Ihnen „Die feine Art des Saufens“ manch sichere Hilfestellung bieten und Ihren Horizont erweitern.
Vorsicht: dieses Handbuch ist nicht geeignet für zartbesaitete Seelen, ausgewiesene Gourmets und Genuss-Trinker. Wer sich die Vita des Autors anschaut, ahnt, was ihn erwartet: Frank Kelly Rich ist in Las Vegas aufgewachsen und hat dort einen beträchtlichen Teil seines Lebens in Bars zugebracht. Nach einer trinkfreudigen Zeit bei der Armee, übersiedelt er nach London, um die dortigen Pubs zu erkunden. Neben dem überraschenden Erfolg seines Science-Fiction-Romans „Jake Strait Bogeyman“ gibt er seit einigen Jahren erfolgreich das Hochglanz-Magazins „The Modern Drunkard“ heraus, das inzwischen in einer Auflage von 50.000 Exemplaren erscheint.
Wobei wir beim Thema wären. Der Markt weist eine Vielzahl von Büchern auf, die erklären, wie man einen Drink mixt. Doch wie geht es dann weiter? Trinken ist ein Sport und die Bar ist das Spielfeld. Wie wär’s mit einer Suff-Safari? Einer Zapfhahnparade mit Zechkumpanen? Oder bevorzugen Sie es, sich auf der Cocktailkarte durchs Alphabet zu trinken? Rich listet die besten Säufer-Tipps – vom schleimigen Schmeicheln des Türstehers bis zur infamen Umgehung der Rechnungsfrage – auf, sammelt die abwegigsten Partystrategien für Schluckspechte und präsentiert die wirkungsvollsten Tricks, die Gardinenpredigt eines Abstinenzlers abzuschmettern. Oft respektlos, zuweilen ruchlos, mit einem kernigen Humor, der allerdings nicht jedermanns Geschmack ist. Sensible Naturen vermögen sich gerade noch an den Sprüchen Salomons zu laben: „Gebt starkes Getränk denen, die am Umkommen sind, und Wein den betrübten Seelen, dass sie trinken und ihres Elends vergessen…“
Lange Texte sind nicht die Stärke dieses Kompendiums – eher eine Vielzahl von Listen à la Schott und Ankowitsch: 77 Säuferregeln, 33 Dinge, die jeder Säufer einmal getan haben sollte, entzauberte Partymythen, Traumberufe für Trinker, Typologie des Barkeepers, eine Auflistung der Kneipensignale (in abstruser Nonsens-Manier). Illustriert wird mit einem bunten Querschnitt durch die Welt der Plakate, Zeichnungen und Bildergeschichten zur amerikanischen Trinkkultur des letzten Jahrhunderts.
„Die feine Art des Saufens“ ist in der Carbon-Copy-Reihe des Berliner Tropen-Verlags erschienen, der sich ansonsten durch ein herausragendes literarisches Programm auszeichnet. Ob das handfeste Handbuch des Säufertums beim deutschen Publikum ebenso ankommen wird wie beim amerikanischen, bleibt abzuwarten. Einige Drinks sollte man vor der Lektüre am besten schon intus haben.
Ingeborg Jaiser
Frank Kelly Rich: Die feine Art des Saufens: Ein Handbuch für den modernen Trinker.
Berlin: Tropen, 2007.
198 S., mit zahlreichen Illustrationen
ISBN: 978-3-932170-96-6
Preis: 14,80 Euro