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Samstag, 26. Mai 2012 | 00:27

Der Architekt, der Koch und der gute Geschmack.

13.09.2007

Architektur & Kochen: Eine Frage der Proportionen

„Im Mittelpunkt des psychophysikalischen Hamburger-Designs steht die Gurkenscheibe.“ (Udo Pollmer: „Die Globalisierung des Geschmacks“)

 

Oder: „Was als die Kunst des Kochens angesehen wird, bedient vor allem das Auge. Sie hat sich auf riesige Teller zurückgezogen, in deren Mitte eine Erbse liegt, gebettet auf einen geschmacklosen Schaum (Peter Kubelka: „Architektur und Speisenbau“). Es sind solche Ausführungen, die das Lesen in diesem Band zu einem Vergnügen machen. In ihnen wird pointiert deutlich, dass es tiefere Zusammenhänge zwischen den Themenkomplexen Architektur und Kochen zu entdecken gilt. Aber wozu? Ebenso kurz wie eindringlich formuliert es Stanislaus von Moos: „Wer nicht isst, stirbt. Wer den Naturgewalten schutzlos ausgeliefert ist, ebenso“ („Fastengebote und Entgleisungen des Begehrens – Anmerkungen über Architektur und Gastronomie“).

Natürlich arbeiten nicht alle Autorinnen und Autoren an so dankbaren Themenaspekten, haben nicht alle so eindringliche Herangehensweisen zu bieten wie die oben zitierten. „Maß und Zahl in der Architektur“ (Paul von Naredi-Rainer) ist, wie schon der Titel vermuten lässt, sicherlich eher ein Aufsatz für Spezialisten. Ergänzt durch den Beitrag „Das rechte Maß im Kochen“ (Renate Breuß) wird jedoch schon in den Überschriften klar, warum man auch einmal Mehl schlucken muss bei dieser Materie: um den Proportionen beider Kulturformen auf den Grund zu gehen, immer dargestellt an eingängigen Beispielen.

Die Gesamtrezeptur des stimmig und ansehnlich illustrierten Bandes stimmt: 17 recht unterschiedliche Aufsätze bzw. Essays und ein Gespräch umkreisen die Verbindung von Architektur und Kochen, mischen Fachinformationen und Philosophie, neutrale Berechnungen und individuelle Vorlieben, historische Fakten und persönliche Anekdoten. Ziel ist eine Bewusstmachung unserer alltäglichen Lebensumstände, denen wir oft so gleichgültig gegenüberstehen: „Den Architekten und den Koch sollte also vor allem der gute Geschmack – als moralisch-ethische Kategorie – zu Verbündeten werden lassen. Denn das Kochen und das Bauen berühren zutiefst soziale Fragen“ (Petra Hagen Hodgson in ihrer Einleitung).


P. S.: Sie wollten schon immer einmal wissen, warum Sie bei Chips nicht aufhören können zu essen, bevor Sie den Tütenboden sehen? Auch das steht in diesem abwechslungsreichen Band.

Anne Göhring / Olaf Selg
















Abb.: Hasso Gehrmann: Erste vollautomatische Küche „Elektra-Technovision“, Prototyp, 1970

Petra Hagen Hodgson, Rolf Toyka (Hg.): Der Architekt, der Koch und der gute Geschmack. Birkhäuser Verlag 2007. 200 Abb. 160 S. 39,90 ¤. ISBN-13: 978-3-7643-7331-3.

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