Jürgen Schreiber: Meine Jahre mit Joschka
25.10.2007
Die Häutungen und Wandlungen des Joschka Fischer
Schreiber argumentiert nicht, er polemisiert, das aber durchaus herzerfrischend und fundiert.
Joschka Fischer hat gerade seine Erinnerungen in Buchform vorgelegt, da trifft es sich gut, dass der Journalist und Autor Jürgen Schreiber ebenfalls die Erinnerungen an die Jahre mit Joschka Fischer, den er über weite Strecken seiner politischen Karriere aus nächster Nähe erlebt hat, mit dem er sogar fast befreundet war, niedergeschrieben und veröffentlicht hat.
Schreiber zeichnet eine Art Gegenbild zu dem Bild, das Fischer von sich selbst zeichnet. Kaum ein gutes Haar läßt er an dem einstigen Vorzeige-Grünen. In einem assoziativen Stil, hin und her springend in den Zeiten, konfrontiert er die Verhaltensweisen und die Aussagen des Straßenkämpfers von einst mit denen des Vizekanzlers, hält dem sich seriös gebenden, abgeklärten Staatsmann in Nadelstreifen den einstigen Hoffnungsträger der Grünen, der in Turnschuhen die große politische Bühne betrat, entgegen, und führt so dem Leser in einer ungewöhnlich plastischen und bildhaften Sprache die seltsamen Häutungen und Wandlungen des Joschka Fischer vor, die dieser wahrscheinlich als Reifungsprozeß deutet.
“Erfinderisch benutzt er die großen Ideologien als Spielmaterial, stapfte durch Episoden und rasch wechselnde Perspektiven, bis man sich ernsthaft fragen musste, wer er eigentlich war.“
Das fragt sich mit Schreiber auch der Leser und findet keine Antwort. Schreiber zeichnet daneben aber auch das Milieu, das einen wie Joschka Fischer hervorgebracht hat und mit ihm durch dick und dünn gegangen ist. Angeführt von mal saufenden, mal joggenden Joschka haben die Grünen wie ihr Leithammel ihre Konturen und Kanten verloren. Schreiber argumentiert nicht, er polemisiert, das aber durchaus herzerfrischend und fundiert. Manchmal trägt ihn sein polemischer Schwung sogar aus der Kurve. Bei ein paar Lebens- und Karrierestationen von Joschka Fischer hätte man gern mehr und näheres erfahren. Wie war das zum Beispiel mit einer deutschen Beteiligung am Irakkrieg. Ist Schröder Fischer mit seiner Entscheidung vorangegangen, hat er ihn, der mittlerweile zu einem guten Freund der USA geworden, vielleicht sogar erst dazu überreden müssen, bei Bushs Wahnsinnsunternehmen nicht mitzumachen. Mit diesem Buch, so erschöpfend es am Ende nach über 200 Seiten ist, ist das Phänomen Joschka Fischer noch lange nicht erschöpft.
Peter Kohl
Jürgen Schreiber: Meine Jahre mit Joschka (Nachrichten von fetten und mageren Zeiten),
Econ Verlag Düsseldorf
205 Seiten
19,90 Euro