Daniel Altman: 24 Stunden
25.10.2007
Jeder möge sich vernetzen
Mit seinem Buch „24 Stunden: Wie die globale Weltwirtschaft funktioniert“ wirft Daniel Altman einen Blick hinter die Kulissen der Globalisierung. Die großen wie die kleinen Rädchen der internationalen Wirtschaftsmaschine möchte er verdeutlichen. Am Beispiel des 15. Juni 2005 zeigt er deshalb Abhängigkeiten auf, die in der Zeitung und im Fernsehen nur als Einzelberichte vorkommen, nicht aber als zueinander zugehörig dargestellt sind. Innerhalb von 24 Stunden passiert mehr als manch einer sich vorstellt.
In 14 Kapiteln hakt Altman aus makroökonomischer und aus mikroökonomischer Sicht die Themen der Wirtschaftsverflechtungen wie Wettbewerbsregeln oder -verzerrungen, Aktienverläufe aufgrund von Fusionsbekanntgaben, Handelsdefizite, Handelsbarrieren oder Börsenindizes nacheinander ab. Finanzsysteme sind nach Altman fragil und chaotisch, nicht immer können Voraussagen getroffen werden. Manager werden zitiert, die moderne Kommunikationswege benutzen, um aktuelle Informationen zu erhalten und mit den Mitarbeitern weltweit in Kontakt zu bleiben.
So konzentriert sich das erste Kapitel auf Unternehmenszusammenschlüsse und -kooperationen am Beispiel Ericssons aus Schweden, das Interesse an der Musikplattform Napster signalisierte, um zukünftig Musik auf Mobiltelefone zu laden. Das nimmt Altman zum Anlass ähnliche Fälle anzusprechen wie die Fusion Daimler-Benz’ mit Chrysler, welche scheiterte, oder AOLs mit Time Warner. Die unterschiedlichen Zeitzonen, in denen die Menschen arbeiten, haben den Nachteil einer umständlichen Kommunikation, es bietet sich aber der Vorteil, dass Produkte kontinuierlich entwickelt und verkauft werden: machen die europäischen Mitarbeiter gerade Feierabend, fangen die amerikanischen und asiatischen Kollegen gerade erst an. Das Fazit: „Auf diese Weise geht die Entwicklung nahtlos weiter. Rund um die Uhr.“
Die Weltwirtschaft ist jedoch keinen einheitlichen Regeln unterworfen, obwohl gerade die großen Wirtschaftsmächte wie die USA ihre Standards und Vorschriften durchsetzen wollen. Vielmehr gibt es regionale Besonderheiten, Branchen werden unterschiedlich gefördert, Kriminalität und Bürokratie oder Subventionen verzerren den Wettbewerb.
Auf der einen Seite erfährt der Leser, der sich in der Regel nicht täglich mit den Wirtschaftsnachrichten beschäftigt, einiges an interessanten Situationen aus dem Wirtschaftsleben. Leicht verständlich formuliert Altman Zusammenhänge und Hintergründe, liefert Details als anschauliche Beispiele. Jedoch scheint die Auswahl der Themen bei Altman willkürlich gewesen zu sein und die Wirtschaftsverflechtungen werden in der Regel nur innerhalb eines Themas aufgezeigt, aber nicht darüber hinaus. Und bei manchen Sachverhalten wird der Wirtschaftsexperte eher den Kopf schütteln angesichts der vereinfachten Aussage. Deshalb richtet sich das Buch auch mehr an diejenigen, die auf die Volkswirtschaft neugierig sind, sich bisher aber kaum damit beschäftigt haben. Am Ende empfiehlt Altman, jeder möge sich vernetzen: „Dann wird er merken, wie das eigene Rädchen in der großen Maschinerie ein bisschen mehr Hebelwirkung bekommt. Und wie die Vernetzung schon bald für ihn arbeitet“. Wenn es doch nur so einfach wäre. Altman hat nämlich vor allem von denen gesprochen, die bereits an den Schalthebeln sitzen, und das sind nur wenige Menschen. Auf der anderen Seite haben selbst kleine Unternehmer ihre Chancen, wenn sie kreativ und mutig genug sind. Der Erfolg kommt nicht automatisch, doch deutlich wird in „24 Stunden“, dass selbst der unscheinbarste Vorgang plötzlich große Bedeutung erlangen kann.
Ulrich Blode
Daniel Altman: 24 Stunden
Wie die globale Wirtschaft funktioniert,
Campus Verlag 2007
ISBN 978-3-593-38410-8
270 Seiten