Eric Clapton: Mein Leben
06.12.2007
Ungeschützt und uneitel
Es macht seine Größe und die besondere Qualität dieses Buches aus, dass Clapton gar nicht bestrebt ist, sich ständig ins rechte Licht zu setzen.
Jimi Hendrix, der in diesen Tagen 65 Jahre alt geworden wäre, ist schon seit 37 Jahren tot, der einzige andere Gitarrist, der eine ähnlich mythische Größe als Gitarrengott erlangt hat, Eric Clapton lebt und spielt immer noch, ein gesetzter 62-jähriger Familienvater, der sich rar macht auf den Konzertbühnen dieser Welt. Wer seine Autobiografie gelesen hat, der begreift, wie nahe Clapton oft daran war, die Totenliste der Rockmusik um einen prominenten Namen zu verlängern. Ohne Larmoyanz schreibt er über seine Drogen- und Alkoholsucht, bekennt sich ungeschminkt dazu ein trockener Alkoholiker zu sein, der immer noch auf der Kippe steht.
In einfacher, klarer Sprache, die auch glaubhaft macht, dass ihm nicht ein gewiefter Ghostwriter die Feder geführt hat, berichtet er über seine ärmliche Kindheit bei den Großeltern, die er für seine Eltern hielt, weil seine blutjunge Mutter als seine Schwester ausgegeben wurde, wie er sich selbst das Gitarrespielen beibrachte, um Bluesmusik zu machen, als gerade der Mersey-Beat den Ton angab, wie er sich bei den Yardbirds und bei John Mayalls Bluesbreakers die ersten Sporen verdiente und dann zusammen mit Ginger Baker und Jack Bruce Cream gründete, die Supergroup, mit der der Erfolg und das ganz große Geld kam. Clapton scheint das alles nicht so sehr interessiert zu haben, er läßt Cream ebenso platzen wie danach Blind Faith und tingelt mit Derek And The Dominoes durch die USA, getrieben von seinen eigenen musikalischen Ansprüchen, aber auch von seinen Süchten.
Geradezu tragische Züge hat sein Liebesleben, die Frau, die er über alles liebt, ist mit George Harrison verheiratet, als sie frei ist und er mit ihr zusammen sein kann, versinken sie zusammen im Drogensumpf, aber so geht es auch anderen Frauen, die mit ihm in Berührung kommen. Erst in reifen Jahren an der Seite einer erheblich jüngeren Frau mit drei kleinen Töchtern scheint ihm so etwas wie privates Glück beschieden zu sein. Natürlich schildert er auch seine Reaktion auf den Tod seines Sohnes Conor, der im März 1991 im Alter von vier Jahren aus dem Fenster eines Hochhauses stürzte und dem er den Song „Tears in Heaven“ widmet. Dass er ihm kein guter Vater war, verschweigt er nicht. Es macht seine Größe und die besondere Qualität dieses Buches aus, dass Clapton gar nicht bestrebt ist, sich ständig ins rechte Licht zu setzen. So ungeschützt und uneitel hat sich ein Star selten der Öffentlichkeit offenbart.
Peter Kohl
Eric Clapton: Mein Leben
Kiepenheuer&Witsch
348 Seiten (mit Fotos)
19,90 Euro