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Samstag, 26. Mai 2012 | 00:32

Hermann Glaser: Die 60er Jahre

04.04.2008

Die 60er – ein Jahrzehnt in Wandel und Widerspruch
Der Prozess gegen Adolf Eichmann ziemlich am Beginn, die Mondlandung der Amerikaner ziemlich am Ende des sechsten Jahrzehnts des vergangenen Jahrhunderts markieren zwei Extreme der Zeitgeschichte: die Menschheit gegen Eichmann versuchte, die Vergangenheit aufzuarbeiten, der erste Schritt auf den Erdtrabanten bewegte sich weit in die Zukunft.

 

Nach zehn Jahren Restauration der Adenauer-Zeit machten sich lange unter dem Deckel gehaltene Freiheits- und Emanzipationsgedanken, weltweit, bemerkbar. An die Oberfläche, hieß es, die alten verkrusteten Strukturen aufbrechen. Das traf in erster Linie bei jungen Menschen auf offene Ohren, die sich damit aber nicht nur Freunde machten. „Volksfeind No. 1“ waren nicht das atomare Wettrüsten oder ein latenter brauner Revanchismus, nein, das war Rudi Dutschke, Student und schillerndste Figur innerhalb der Außerparlamentarischen Opposition.

Klar, dass es in den Sechzigern genauso Höhen und Tiefen gab wie in Jahrzehnten davor und danach: der Contergan-Skandal und die „Spiegel“-Affäre, die Flutkatastrophe an der Nordseeküste und der Bau der Berliner Mauer.

Die im Anhang präsentierte Zeittafel von 1959 bis 1971 schießt etwas über das selbstgesteckte Ziel hinaus, zeigt aber andererseits auch, dass man Geschichte nicht abgegrenzt in Dezennien erklären kann. Überlappungen und Auswirkungen in folgende Jahrzehnte zeigen auf, wie stark gesellschaftlicher und politischer Wandel an festgezimmerten Jahreszahlen rütteln.

Der Kulturvermittler und Autor zahlreicher Bücher, Hermann Glaser, legt mit „Die 60er Jahre“ erneut ein kulturwissenschaftliches Buch vor, in dem er auf verständliche Weise ein buntes, aufreizendes und veränderungswilliges Jahrzehnt beschreibt. Großzügig bebildert, viele Fotos noch in schwarz-weiß, erinnert Hermann Glasers Rückblick an die Jahre fast grenzenloser Aufbruchstimmung. Politisch triumphierte die SPD in einer Koalition mit der FDP, nach dem sie in der Großen Koalition mit CDU/CSU erst einmal vieles dazu tat, die APO groß werden zu lassen.

Vor dem Erinnerungsauge tauchen die Ikonen der sechziger, die Katastrophen, die Neuerungen ungetrübt wieder auf, wenn man unbefangen in dem Bildband blättert und sich hier und da fest liest. Das ist ein sehr positiver Aspekt des Bildbandes: man muss ihn nicht stringent von vorne nach hinten lesen, Querschläger, Vor- und Rückwärtsblättern erhöhen den Spaß an junger Vergangenheit.

Klaus Hübner


Hermann Glaser: Die 60er Jahre.
Deutschland zwischen 1960 und 1970.
Hardcover.
Ellert & Richter Verlag. Hamburg. 2007.
192 Seiten mit 193 Abbildungen.
ISBN 978-3.8319-0286-6.
19,95 Euro.






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