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Samstag, 26. Mai 2012 | 00:32

Dixe Wills: Wills Weltordnung

17.04.2008


Globaler Irrsinn kunstvoll geordnet

Fühlen Sie sich manchmal hoffnungslos verloren auf diesem so gewaltig großen Globus? Wächst Ihnen diese unsere verwirrende Welt über den schmerzenden Kopf?

 

Sehnen Sie sich bisweilen nach Klarheit, Sorgfalt, Ordnung in diesen zerrütteten, zweifelhaften Zeiten, in denen die Nachrichten voll sind von (nicht) anerkannten Staaten, die um ihre Freiheit kämpfen oder sie schon erlangt haben, oder...? Seien Sie beruhigt, Hilfe naht! Zu den komplizierten Inhalten von Meldungen, die um politische Korrektheit ringen, gibt es eine brandneue Alternative aus der Feder des britischen Autors Dixe Wills. Dessen neuestes Werk heißt Wills' Weltordnung und es enthält, was der Einband verspricht: Eine absolute, unumstößliche, endgültige Rangliste aller Länder dieses Planeten, die, wie das Vorwort ankündigt, nicht nur die Spreu vom Weizen trennt, „sondern, und das ist entscheidend, die Kohl- von der Blaumeise.

Britischer Humor? Treffer!

199 Länder werden in diesem Almanach des geografischen Irrsinns in alphabetischer Ordnung vorgestellt, eine Seite pro Land. Neben solch marginalen Daten wie Hauptstadt, Einwohnerzahl, Landesflagge oder -größe (angegeben übrigens in einem Vielfachen von Sachsen), informiert uns Wills endlich über das, was auf dieser Welt wirklich wissenswert ist: Afghanistan wechselte zwischen 1901 und 2002 exakt 19mal die Landesflagge, Senegal ist der sechstgrößte Exporteur von Erdnüssen und Lyon war am 16. Februar 1980 Mittelpunkt des weltgrößten Staus. Solch skurrile Daten dienen als Unterfutter für Wills trockene, salopp-zynische Kommentare über die Staaten dieser Erde, die dieses Buch zu einem Muss für alle Fans schwarzen Humors machen.

Die komplette Geschichte der Seychellen gefällig?

Sie haben die Wahl zwischen Arabern oder Austronesiern als früheste Besucher der Seychellen. Es waren aber eindeutig die Portugiesen, die als Erste von der Existenz des einladenden Archipels im Indischen Ozean berichteten. Das war ein Fehler, denn die Franzosen schnappten es sich prompt, nur um es an die Engländer zu verlieren, die es an den rauen Wind des Fortschritts verloren. Die Inseln sind nach einem französischen Finanzminister benannt, was eigentlich ziemlich trostlos ist.“ Fertig. Und wie funktioniert jetzt die Bewertung? Ganz einfach! Für gewisse Kategorien wie Reiseziel, Nationalhymne, überragende Leistungen oder Angeberwissen über das Land erhält dieses Punkte, die schließlich, „von professionellen Mathematikern addiert“, eine Rangliste ergeben. Das Gewinnerland wird an dieser Stelle nicht enthüllt, doch sei verraten, dass Guatemala unter anderem deshalb den zweiten Platz einnimmt, weil die Mayatempel von Tikal als Kulisse für Außenaufnahmen von „Star Wars IV“ dienten.Ein besonderes Bonbon ist der jeweils abschließende Blick auf die Nationalhymne eines Landes. So bekommt Belgien immerhin 16 von 20 Punkten für eine Hymne, „die für die Idee wirbt, dem Land Körperteile zu spenden: „O Belgien, o teure Mutter / Dir gehören unsere Herzen, unsere Arme.

Globus light

Da schwarzer Humor umso wirkungsvoller trifft, je tabuisierter oder grausamer das Sujet ist, auf das er sein „Bright Side of Life“ pfeift, tanzt Wills' Weltordnung auf einem wahrlich ergiebigen Schrein: Wo könnten sich leichtfüßige Bemerkungen besser mit der Realität beißen, als vor dem Hintergrund der todernsten, blutverschmierten Historie der Staaten dieser Welt? Weil man von diesem humoristischen Kniff nicht genug kriegen kann, das Buch aufgrund seiner Partitionierung jedoch am besten häppchenweise liest, wird es sich zweifelsohne seinen gebührenden literarischen Platz erobern: Ganz oben auf jedem Stapel guter Toilettenlektüre.

Jörg Döbereiner


Dixe Wills: Wills' Weltordnung. Bloomsbury Berlin 2008. 237 Seiten. 16,00 Euro.

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