Thomas Kistner: Fifa-Mafia Men in Black 3 - jetzt im Kino! TATORT (SR) - Skalpell (28.05.2012) Andrea Maria Schenkel: Finsterau "Bacon Talks": Frankfurts Schauspielintendant Oliver Reese schreibt ein Stück und inszeniert Der FUTTERblog - streng verdaulich!
Samstag, 26. Mai 2012 | 00:34

Zoe Leonard - Fotografien.

16.10.2008


Bestandsaufnahme der Wirklichkeit

"Ich zeige Ihnen hier, was ich gesehen und fotografiert, und nicht, was ich erfunden habe." (Zoe Leonard)
Von Matthias Struch

 

Wolkenbilder, gesehen und aufgenommen durch Fenster von Flugzeugen. Luftbilder, gefunden im Überblick auf Unorte und bekannte Städte, Gleisanlagen, Elendsquartiere, Straßenzüge, Paris, Washington, Istanbul, nachts und am Tage, unscharf und kontrastreich. Bilder von Bäumen, in der Natur oder der Stadt, mit Früchten oder verirrten Plastiktüten in den Zweigen. Vogelnester, zertretene Kaugummis, tote Tiere.

Die Fotografin, Installations- und Objektkünstlerin Zoe Leonard (geb. 1961 in New York) ist eine Sucherin und Finderin, eine Sammlerin, und in dieser Leidenschaft ebenso begnadet wie obsessiv. Sie sammelt Bilder und die Wirklichkeit darin. Sie sammelt Spuren, Narben und Strukturen, im Kleinen und im großen Ganzen, der Welt, des Lebens. Dabei thematisiert sie immer wieder Gegensätze und Zusammenhänge von Natur und Kultur, Frau und Mann, Mensch und Tier - anthropologische Diskurse, einfach, klar, verständlich, unakademisch und politisch. Auf der Documenta 9 sorgte die Mitbegründerin des feministischen Kollektivs "Fierce Pussy" mit Schwarzweißfotografien weiblicher Genitalien inmitten von Frauenporträts und mythologischen Frauenszenen für Aufsehen. Viele Jahre fotografiert sie schwarzweiß, später kommt die Farbe hinzu - immer analog. Sie meidet die großen Formate, lässt Kratzer und Verunreinigungen stehen.

Das nun vorliegende schöne Buch gestattet einen umfassenden Blick auf ein beeindruckendes Gesamtwerk. Ein wenig störend die typographische Gestaltung der Texte. Inhaltlich eröffnen sie aber Perspektiven auf Leonards Arbeit. In Urs Stahel Essay findet man Ansätze für die verschiedenen "visuellen Diskussionen" bei Zoe Leonard. Elisabeth Lebovici sucht die "alltäglichen Reibungen" in Leonards Sammlungsbildern, Aufnahmen von Jagdtrophäen und Exponaten anatomischer Sammlungen, während Svetlana Alpers Leonards Arbeit "Analogue" (1998-2007) betrachtet, jenes Bildarchiv vernachlässigter Ladenfronten in der Umgebung der Lower East Side in New York, es als "spannende Würdigung archivalischer Fotografie" einschätzt und nahezu folgerichtig beim Vergleich mit Eugene Atgets Bestandsaufnahmen von Paris landet: eine Bestandsaufnahme, archäologisch, soziologisch, historisch und wieder auch politisch.

Das Buch entstand in Zusammenarbeit mit dem Fotomuseum Winterthur anlässlich einer Ausstellung Ende 2007/Anfang 2008, die von Urs Stahel und Zoe Leonard selbst konzipiert wurde, und die vom 30.10.2009 bis 28.02.2010 im Museum Moderne Kunst Stiftung Ludwig in Wien zu sehen sein wird.

Von Matthias Struch












Urs Stahel (Hg.): Zoe Leonard – Fotografien. Mit Texten von Urs Stahel, Elisabeth Lebovici und Svetlana Alpers. Buchgestaltung: Trix Wetter und Iza Hren. Steidl 2007. 262 S. mit 150 Tritone-Tafeln. ¤ 50,00. ISBN 978-3-86521-661-8

Von der Verrohung des Bürgertums

Ja, die Welt ist schlecht, weil ungleich. Aber hurra – wir tun doch was! Das Netzwerk der »Tafeln« sorgt dafür, dass auch Hartz-IV-ler würdig ...

Licht wo zu viel Schatten lag

Jetzt mal ehrlich, das Buch Fifa-Mafia von Thomas Kistner ist keine einfache Kost. Zu ungebremst und schnörkellos werden einem hier schallernde Fakten um die Ohren gehauen. ...

Lämmer in der Obhut von Wölfen

Das europäische Mittelalter war nicht gut zu Frauen – zumindest wenn wir heutige Kriterien anlegen. In jedem Fall aber war es eine schlechte Zeit für die wenigen Frauen in ...

Vorschlag zur Güte

Reiß mir bitte reiß mir doch

in meinen Etat ein Loch

stopf zwei drei deiner Sorgen rein

und bald wird wieder Frühling sein

»Die Wahrheit ist ein scheues Kind ...«

Mit dem Roman Tannöd begann 2006 die erstaunliche Karriere der Andrea Maria Schenkel. Der Nachfolger, Kalteis (2007), bewegte sich noch ganz im Dunstkreis des erfolgreichen ...

Valium im schwarzen Anzug

Die MIB-Filmreihe von Regisseur Barry Sonnenfeld komplettiert sich nun zur Trilogie und tischt dem Zuschauer das Alte vom Vortag nochmal neu auf – nur diesmal in 3D. Lasst euch vom ...

Ecce Homo

»Siehe, der Mensch!« - so wird allgemein Ecce Homo übersetzt. Napoleon soll Ähnliches zu Goethe bei ...