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Samstag, 26. Mai 2012 | 00:39

Ausstellungstipp Hamburg:

04.06.2009

Geschichten zum Weiterdenken

Mit unterkühltem Realismus zeigt der amerikanische Künstler (1882–1967) einsam wirkende Gestalten im Neonlicht einer Bar, im Diner oder im Hotel. Seine menschenleeren Räume und Straßenansichten wurden zum Inbegriff für die Melancholie des Modernen Lebens. Das Bucerius Kunstforum in Hamburg zeigt nun in der Schau „Modern Life. Edward Hopper und seine Zeit“ acht seiner Gemälde und stellt diese zusammen mit weiteren 90 Werken seiner Zeitgenossen aus dem Whitney Museum of American Art in New York vor. Von ANDREA HENKENS

 

„Seine Bilder prägen bis heute unser Bild von Amerika“, sagt Bucerius-Leiterin Ortrud Westheider. „Sie sind wie eine Geschichte, die man weitererzählen muss.“ Das Besondere dabei sei, dass sich fast jeder in die Situation hineinversetzen könne. Die starke Atmosphäre seiner Werke inspirierte unter anderem auch Filmregisseure wie Alfred Hitchcock oder Wim Wenders. Die zu sehenden Hopper-Gemälde – ohne das berühmte „Nighthawks“ – stehen im Zentrum der Ausstellung. Von hier aus kann der Besucher in die vier angrenzenden Räume blicken: Dort hängen die Werke seiner Zeitgenossen, die verschiedene künstlerische Strömungen der amerikanischen Kunst der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts vertreten. Den Anfang macht die Ashcan School um Hoppers Lehrer Robert Henri. Er schuf ein imposantes Porträt von Gertrude Vanderbilt Whitney, die zu den wichtigsten Förderern der modernen Kunst in den USA zählt. Sie lud Edward Hopper zu seiner ersten Einzelausstellung in die Whitney-Gallery ein und gründete 1931 das Whitney Museum of American Art. Das Haus ist heute eines der bedeutendsten Museen amerikanischer Kunst des 20. Jahrhunderts – mit dem weltweit größten Bestand an Hopper-Werken. Aus dieser Sammlung wählte die Whitney-Kuratorin Barbara Haskell die Werke für die Hamburger Schau aus.

So reicht die zu sehende Spannweite von den Ford-Werken zum Vergnügungspark, vom Hotelzimmer zu den Fassaden der Großstadt, von den Menschentrauben im Kinofoyer zu einsamen Bahnübergängen und Hinterhöfen.
Die Bilder der so genannten Regionalisten, der Modernisten und der Maler des Machine Age beleuchten das Umfeld Edward Hoppers und die kontroversen Diskussionen über die Kunst in seiner Zeit. Vertreten sind auch Gemälde, Skulpturen, Zeichnungen und Fotografien von Joseph Stella, Thomas Hart Benton, Georgia O’Keeffe, Man Ray oder Alfred Stieglitz.

Ausgedehnte Reisen durch die USA machten Hopper mit den Themen der Präzisionisten bekannt, die sich ihre Motive an der Peripherie der Stadt, in den Vororten und Industriebrachen suchten. So malte Charles Sheeler 1932 die Ford-Werke in Detroit, damals die größte Industrieanlage der Welt. Die sozialen Probleme der Großen Depression thematisieren die Werke von Stuart Davis, Ben Shahn oder Reginald Marsh. Von Marsh etwa ist das Gemälde „Ten Cents a Dance“ (Jeder Tanz zehn Cent) zu sehen, das sich mit der Kommerzialisierung der Freizeit auseinandersetzt. Einer Gruppe angeschlossen hat sich Hopper jedoch nie. Vielmehr können die Besucher hier nachvollziehen, wie Hopper die Themen seiner Generation ausbalanciert.

Modern Life ist der dritte und letzte Teil der Trilogie des Bucerius Kunst Forums zur amerikanischen Kunst zwischen 1800 und 1950. Auf Landschaft und Portrait folgen als dritter thematischer Schwerpunkt mit Szenen des modernen Lebens, wie sie die amerikanische Kunst des frühen 20. Jahrhunderts auszeichnete.


Zur Ausstellung erscheint ein Katalog, hrsg. von Ortrud Westheider und Michael Philipp; mit Beiträgen von Barbara Haskell, Sasha Nicholas, Michael Philipp, Susanne Scharf, Bernhard Schulz, Ortrud Westheider, Rebecca Zurier. 240 Seiten mit farbigen Abbildungen aller gezeigten Werke, Hirmer Verlag, München, Preis in der Ausstellung 24,80 Euro, Buchhandelsausgabe: 34,80 Euro.

Bucerius Kunstforum, bis 30. August 2009, Rathausmarkt 2, 20095 Hamburg, Montag bis Sonntag 11 bis 19 Uhr, Donnerstag bis 21 Uhr

Weitere Informationen, auch zum Rahmenprogramm der Ausstellung, finden Sie auf der Homepage Homepage des Kunstforums.



































Bild 1:
Edward Hopper
Seven A. M., 1948
Öl auf Leinwand, 76.68 x 101.92 cm
Whitney Museum of American Art, New York

Bild 2:
Charles Sheeler 1883-1965
River Rouge Plant, 1932
Öl auf Leinwand, 50.8 x 61.28 cm
Whitney Museum of American Art, New York

Bild 3:
Edward Hopper 1882-1967
Railroad Sunset, 1929
Öl auf Leinwand, 74.3 x 121.92 cm
Whitney Museum of American Art, New York;
Josephine N. Hopper Bequest
© Heirs of Josephine N. Hopper, licensed by the Whitney Museum of American Art

Bild 4:
Edward Hopper
New York Interior, ca. 1921
Öl auf Leinwand, 61.6 x 74.3cm
Whitney Museum of American Art, New York;
Josephine N. Hopper Bequest
© Heirs of Josephine N. Hopper, licensed by the Whitney Museum of American Art




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