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Samstag, 26. Mai 2012 | 00:39

Kunst zum Hören: Giacometti

25.06.2009

Heimatmuseum

Feine Sache: Anstatt im Museum ferngesteuert unter Ferngesteuerten im Gänsemarsch von Werk zu Werk zu watscheln, kann man sich die Kombination Kunstbetrachtung plus Audioguide nun nach Hause holen. Von OLAF SELG

 

Er wirkt schon etwas autistisch, der Gebrauch von Audioguides im Museum. Und der Mehrwert an Information muss meiner Meinung nach genau abgewogen werden gegen die Einschränkung der Gedankenfreiheit. Aber warum auf den möglichen Mehrwert verzichten, wenn es auch anders geht: Der Trend nimmt zu, Audioguides im Internet als Download zur Verfügung zu stellen oder ganze Hörtouren im Verkauf anzubieten, zum Voraus- oder Nachhören zu Hause oder an einem anderen Ort der eigenen Wahl. Und wenn die Bilder beim Hören partout nicht im Kopf entstehen wollen, gibt es in diesem Fall zur Hilfestellung gleich einen kleinen Bildband dazu.

Diese Zusammenstellung zeichnet die Serie der „Kunst zum Hören“ aus, und zumindest bei „Giacometti“ funktioniert sie. Es hat durchaus etwas Entspannendes und Mondänes, sich im Ohrensessel oder in der Deutschen Bahn bildende Kunst statt Straßenlärm oder Handygeplapper anzuhören. Auch das Mittelformat des Bildbands trägt zur Flexibilität dieser kleinen „Medienpakete der Kunst“ bei.

 

Punktuelle Impulse

Selbstverständlich kann und will diese Form der Kunstvermittlung nicht den umfassenden Katalog ersetzen. Die „Kunst zum Hören“ kann keine Gesamtschau anbieten, sondern setzt punktuelle Impulse in Biografie und Werk. Die Beiträge sind bewusst keine Beschreibungen.

Die Informationen zu den Arbeiten Alberto Giacomettis (1901 – 1966) betreffen mal ihren Entstehungsprozess, mal das künstlerische Umfeld, sind mal zentral und erscheinen mal wie um das Werk herumgetupft, sind dann allerdings manchmal zu marginal. Insgesamt wird in den 28 Tracks ein Bogen durch die Entwicklung der Arbeiten von Giacometti geschlagen. Deutlich wird dabei seine permanente Suche nach der Wahrheit der (optischen) Wahrnehmung insbesondere des menschlichen Körpers, ohne dass er auf dem künstlerischen Weg über die ganz kleinen Plastiken hin zu seinen großen, aber Leichtigkeit suggerierenden „Nadelfiguren“ jemals meinte, sein Ziel erreicht zu haben. Ulf Küster, Kurator der zugehörigen Ausstellung, formuliert dies kurz und bündig: „Giacometti war ständig auf dem Weg hin zu einer nicht erreichbaren Perfektion...“

 

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