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Samstag, 26. Mai 2012 | 00:39

Schnee. Rohstoff der Kunst.

16.07.2009

Gewagtes Timing

Eine Ausstellung in Bregenz bzw. in Lech am Arlberg und die zugehörige Publikation beschäftigen sich mit dem Thema „Schnee. Rohstoff der Kunst“ – und das ausgerechnet in den Sommermonaten. Von OLAF SELG

 

Aber so verkehrt ist der Ansatz gar nicht: Die Liebhaber der Materie wären wohl kaum ins Museum oder in den Lehnstuhl zu bringen, wenn sie gerade ihrem Faible für Schnee im Freien frönen könnten. So aber ist Zeit genug, sich dieser ebenso lust- wie todbringenden Substanz rezeptionsästhetisch-intellektuell und nicht auf Schlitten, Brettern oder Bords zu nähern.

Es fällt auf, dass der Schwerpunkt der bildhaften Auseinandersetzung auf den ersten 40 Jahren des letzten Jahrhunderts liegt. Insbesondere in der Zeit danach klaffen Lücken. Dies ist aber wohl weniger einem Mangel an Werken aus den anderen Zeiträumen geschuldet als vielmehr der Tatsache, dass der Wintersport, das Skifahren damals entdeckt wurde: Man verbrachte nun den Winterurlaub im Schnee und weniger in milderen Regionen.

Darüber hinaus verstehen sich die Ausstellung und der Bildband nicht als enzyklopädische Abhandlungen zum Thema „Schnee“, sondern umreißen das Thema schlaglichthaft, wie es der Titel des Vorworts von Herausgeber Tobias G. Natter widerspiegelt: „Schnee. Reflexionen – Spuren – Niederschläge“. Niederschläge in der Landschaft und in der Kunst, Spuren von und im Schnee, Reflexionen über seine materielle Beschaffenheit oder die pekuniäre Verwertbarkeit, mit einem regionalen Schwerpunkt auf der Landschaft Vorarlberg.

 

Nette Abkühlung

Die Essays und Aufsätze umfassen möglichst viele Aspekte, viele Kulturformen, in denen Schnee zum tragenden Thema wird:
- Schnee in der Malerei („’Und ein verewigt Eis umringt das kühle Tal...’ Schneegipfel und Gletschermassen in der Kunst zwischen 1770 und 1860“ von Barbara Stark oder „Todesmetapher, Polychromie und Arabeske. Schnee um 1900“ von Beat Stutzer),
- Schnee im Kino („Sonne über dem Arlberg. Wie das Kino die Skier zum Laufen brachte“ von Christian Rapp),
- Schnee in der Fotografie („Magie des Schnees. Drei Fotografen aus der Region“ von Ute Pfanner),
- Schnee in der Literatur („Vom Mordinstrument zur existentiellen Chiffre. Schnee in der Vorarlberger Literatur von Felder bis Helfer“ von Ulrike Längle),
- Schnee in der Werbung („Das weiße Österreich. Wintertourismuswerbung und Schneeplakate bis 1938“ von Christian Maryska),
- Schnee als Event („Mondäner Schnee. High Society und weiße Pracht im Bild“ von Magdalena Häusle),
- Schnee als Wunschtraum („Die Sehnsucht des Städters nach dem Schnee“ von Michaela Reichel) und
- Schnee als Alptraum („Die dunkle Seite des Schnees“ von Stefan Graf).

Diese Übersicht zeigt: Es wird vieles angesprochen und die ausgewählten Kunstwerke (u.a. von Giovanni Giacometti, Olaf Gulbransson, Ernst Ludwig Kirchner, Claude Monet, Franz Sedlacek) bieten ansprechende Anblicke. Bemerkenswert ist insbesondere die dokumentierte Plakatkunst zur Werbung für Skisport-Wettbewerbe und ihre Regionen. Alles in allem stellt der Bildband eine nette Abkühlung dar für schwülwarme Tage.

 

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