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Gotthard Schuh - Eine Art Verliebtheit

08.10.2009

Gotthard Schuh - Eine verblüffende Begegnung

Der Schweizer Fotograf, Maler und Graphiker Gotthard Schuh (1897-1969) zählt zu den Pionieren des modernen Fotojournalismus. Und dennoch: Kaum einer kennt ihn. Von MATTHIAS STRUCH

 

Erst jetzt, Jahrzehnte nach seinem Tod, wird mit dem umfassenden Buch- und Ausstellungsprojekt "Gotthard Schuh - Eine Art Verliebtheit" der Fotostiftung Schweiz in Winterthur, die auch seinen Nachlass pflegt und verwaltet, einem größeren Publikum die Begegnung mit ihm ermöglicht. Seine Karriere als Fotoreporter beginnt in der Schweiz der 1930er Jahre. Für die Zürcher Illustrierte, die Berliner Illustrirte Zeitung, Föhn, Paris Match, die Neue Zürcher Zeitung und Life fährt er durch die Welt, bereist England, Indonesien, Deutschland, Belgien, Nordafrika und Italien. 1951 gründet er zusammen mit Werner Bischof, Walter Läubli, Paul Senn und Jakob Tuggener das Kollegium Schweizerischer Photographen.

 

Nüchtern - sachlich - verblüffend

Schuhs Bilder zeigen Alltag und gesellschaftliche Wirklichkeiten. Auch wenn seine Bildsprache oft als nüchtern und sachlich charakterisiert wird, schimmert in seinen Fotografien doch eine verblüffende Form von Poesie, ohne Süße oder Sentimentalität auf. Schuh lässt den Dingen, Orten, Menschen ihre Unschärfen. Und er sieht sie mit seinem subjektiven Blick. Politische und gesellschaftliche Zusammenhänge interessieren ihn dabei weniger, vielmehr leisten sich auch diesbezüglich konkretere Fotos eine mitunter verblüffende Unschärfe. Die Schublade dafür ist der poetische Realismus, dem er sich nach den Anfängen, die noch geprägt sind vom "Neuen Sehen" mit seinen optischen Effekten und tektonischer Bildgestaltung, zuwendet. Gern wird Paris als Ort der fotografischen, ästhetischen Bewusstseinswerdung angesehen. Schuh verbringt viel Zeit auf den Straßen, versucht die Atmosphäre des Pulsierenden, Schillernden, Flirrenden einzufangen.

Das Buch stellt den Fotografen mit einer Retrospektive seines Gesamtwerks vor. Die Texte erhellen dieses Gesamtwerk, gehen dabei auch auf seine erste Karriere als Maler oder die wenigen publizistischen Arbeiten ein. Über den Menschen Gotthard Schuh kann man ebenfalls etwas erfahren: Persönliche Äußerungen wie die Auszüge aus dem Briefwechsel mit Robert Frank über dessen "Americans" zeugen von angreifbarer Sensibilität.

Vor allem aber sind es die guten Bilder, derentwegen man diesen Band zu Hand nehmen sollte. Durch ihre Unschärfe ermöglichen sie tiefe Einblicke ohne ihnen die Weite und damit die Möglichkeiten zu nehmen.

 

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