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Samstag, 26. Mai 2012 | 00:43

Herzog & de Meuron: Das Gesamtwerk

12.11.2009

Bau-Kunst

Als eines von 33 Büchern wurde Band 4 der Werkmonographie des Schweizer Architekturbüros Herzog & de Meuron in die Liste der „Schönsten Schweizer Bücher 2008“ aufgenommen. Von BIRGIT SEIDEL

 

Der jährlich seit 1999 vom Bundesamt für Kultur (BAK) ausgelobte Wettbewerb „Die schönsten Schweizer Bücher“ führt in der Schweiz zu einem regen Interesse an Buchgestaltung, Typographie und konzeptionellen grafischen Ansätzen in der Buchkunst. Band 4 der Werkmonographie von H&dM, der die Bauten und Projekte des Baseler Architekturbüros aus den Jahren 1997-2001 zeigt, wurde, wie alle ausgezeichneten Bücher, auch auf der Frankfurter Buchmesse präsentiert.

Die bisweilen eigenwillig anmutenden Architekturprojekte von Herzog & de Meuron leuchten aus dem Einheitsbrei an Gebautem zumeist wohltuend hervor – und zeigen in ihrer Wirkung ein Spektrum von ansprechend-charmant bis hin zu aufwühlend-irritierend. Nicht verwunderlich, dass das Baseler Architekturbüro inzwischen weit über die Design- und Architekturszene hinaus bekannt ist. Spätestens seit der Tate Modern in London und dem Bird’s Nest, dem Nationalstadion in Peking für Olympia, hat sich H&dM auch international einen Namen gemacht. Der Meilenstein im internationalen Durchbruch ist für das inzwischen 330 Mann starke Büro mit der Verleihung des Pritzker Preises im Jahr 2001 markiert – die für lebende Architekten honorabelste Auszeichnung.

 

„Die Materie überwinden“

„Die Architektur lebt und überlebt aufgrund ihrer Schönheit, weil sie verführt, die Menschen animiert und inspiriert, weil sie Materie ist und weil sie – wenn auch nur manchmal – die Materie überwinden kann.“ Dieser Satz aus der Pritzker Dankesrede von Herzog & de Meuron be- und umschreibt die Bemühungen des Baseler Büros, hier auf Erden poetische Refugien zu schaffen, die zum Innehalten und Staunen bewegen. In ihrer Eigenart können die Projekte manchmal sperrig und erst auf einen zweiten oder gar dritten Blick zugänglich wirken, wie beispielsweise die Eingangssituation des Schaulagers (Warum steht da dieses kleine Häuschen?). Es gibt aber auch immer Raumkonstellationen, die unterbewusst selbsterklärend sind, wie beispielsweise die innenräumliche Aufweitung und die Ausblicke aus dem Schaulager nach draußen.


Der vierte Band der Werkmonographie beginnt mit Projekt Nummer 153, der Erweiterung des Aargauer Kunsthauses, und endet mit der Nr. 206, der Allianz Arena in München. Die Projektnummern werden bei H&dM chronologisch nach Auftragsannahme durchnummeriert. Der Zeitraum von 1997 bis 2001 verzeichnet damit eine enorme Dichte an realisierten Entwürfen und eine scheinbar unüberschaubare Komplexität architektonischer Entwurfsstrategien – skulpturale oder zufällig erscheinende Elemente tauchen in diesem Zeitraum ebenso auf, wie figurative und ornamentale Einflüsse. „Es ist eine Strategie, die uns die Freiheit gibt, bei jedem neuen Projekt die Architektur neu zu erfinden, anstatt unseren Stil zu verfestigen“, stellen die Architekten fest.

Jedes der Projekte wird mit einem Foto aus google earth und einem persönlichen Text der Architekten eingeleitet, skizzenhafte Darstellungen von Modellaufnahmen, Plänen und Fotos sowie ein analysierender und beschreibender Text des Herausgebers Gerhard Mack schaffen einen weiteren Kontext. Eingebettet werden diese collagenartigen Projekteindrücke in eine Hauptstruktur aus Vorwort, architekturtheoretischer Einleitung, Werkchronologie sowie gesondert stehenden Kapiteln aus Planmaterial und ganz- bis doppelseitigen Bildern. Dem Leser bleibt selber überlassen, ob er sich projektbezogen bis ins Detail einarbeiten oder schlendernd Eindrücke sammeln will.

 

Hand und Geist

Das Buch spricht alle Sinne an – visuell, intellektuell und haptisch wird der Leser gefordert. Sattes Rot auf Grün, in Leinen gebunden, großformatig und mit ordentlichem Gewicht. Der aktuelle Band besticht (nach Ittens Farbkreis) durch die Komplementärfarben Rot und Grün – die Farben des Dschungels. Und ein bisschen wie durch einen Dschungel muss man sich auch durch den Inhalt des Buches durchkämpfen.

Das Buch endet mit der Projekt Nr. 206 in der Werkchronologie und bei den Projektbeschreibungen. Bereits angeführt sind die Projekte 207-320, die in zukünftigen Bänden vorgestellt werden sollen. Man darf gespannt sein, was Band 5 an Herausforderungen bietet.

 

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