„Die Materie überwinden“
„Die Architektur lebt und überlebt aufgrund ihrer Schönheit, weil sie verführt, die Menschen animiert und inspiriert, weil sie Materie ist und weil sie – wenn auch nur manchmal – die Materie überwinden kann.“ Dieser Satz aus der Pritzker Dankesrede von Herzog & de Meuron be- und umschreibt die Bemühungen des Baseler Büros, hier auf Erden poetische Refugien zu schaffen, die zum Innehalten und Staunen bewegen. In ihrer Eigenart können die Projekte manchmal sperrig und erst auf einen zweiten oder gar dritten Blick zugänglich wirken, wie beispielsweise die Eingangssituation des Schaulagers (Warum steht da dieses kleine Häuschen?). Es gibt aber auch immer Raumkonstellationen, die unterbewusst selbsterklärend sind, wie beispielsweise die innenräumliche Aufweitung und die Ausblicke aus dem Schaulager nach draußen.
Der vierte Band der Werkmonographie beginnt mit Projekt Nummer 153, der Erweiterung des Aargauer Kunsthauses, und endet mit der Nr. 206, der Allianz Arena in München. Die Projektnummern werden bei H&dM chronologisch nach Auftragsannahme durchnummeriert. Der Zeitraum von 1997 bis 2001 verzeichnet damit eine enorme Dichte an realisierten Entwürfen und eine scheinbar unüberschaubare Komplexität architektonischer Entwurfsstrategien – skulpturale oder zufällig erscheinende Elemente tauchen in diesem Zeitraum ebenso auf, wie figurative und ornamentale Einflüsse. „Es ist eine Strategie, die uns die Freiheit gibt, bei jedem neuen Projekt die Architektur neu zu erfinden, anstatt unseren Stil zu verfestigen“, stellen die Architekten fest.
Jedes der Projekte wird mit einem Foto aus google earth und einem persönlichen Text der Architekten eingeleitet, skizzenhafte Darstellungen von Modellaufnahmen, Plänen und Fotos sowie ein analysierender und beschreibender Text des Herausgebers Gerhard Mack schaffen einen weiteren Kontext. Eingebettet werden diese collagenartigen Projekteindrücke in eine Hauptstruktur aus Vorwort, architekturtheoretischer Einleitung, Werkchronologie sowie gesondert stehenden Kapiteln aus Planmaterial und ganz- bis doppelseitigen Bildern. Dem Leser bleibt selber überlassen, ob er sich projektbezogen bis ins Detail einarbeiten oder schlendernd Eindrücke sammeln will.