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Samstag, 26. Mai 2012 | 00:43

Soul Kitchen

07.01.2010

Liebe! Sex! Die Seele!

Obwohl Soul Kitchen bestimmt nicht Fatih Akins Meisterwerk ist, fällt es doch schwer, sich seinem Charme zu entziehen. Eine schnelle, coole und witzige Komödie, die sich nicht um politische Korrektheit oder intellektuellen Anspruch schert. Von MARIEKE STEINHOFF

 

Ein Ort ist in Gefahr. Der Feind kommt von außen und verbreitet Unruhe in dem überschaubaren Mikrokosmos, aber eine Gruppe von Verbündeten setzt sich zur Wehr und rettet den Ort, der für all das steht, was ihnen Heimat ist. Genrekino vom Feinsten? Irgendwie schon, aber der Regisseur heißt Fatih Akin, und so ist der Ort kein idyllisches Bergdorf, sondern eine schäbige Kneipe im Hamburger Problemviertel Wilhelmsburg, seine Belegschaft besteht aus Goldkettchenprolls, obdachlosen Immigranten und versoffenen Arbeitern, und der Feind kommt daher in Form eines strohblonden Immobilienspekulanten.

Mit dem multiethnischen Heimatfilm Soul Kitchen kehrt Akin dahin zurück, wo er angefangen hat: nach Hamburg, zu den impulsiven Jungs und den schönen Mädels, die sich mit viel Lärm und Getöse durchs Leben schlagen, weniger die Illegalität denn die Säulen des deutschen Staatsapparates fürchten, aber eigentlich ihr Herz am rechten Fleck haben. Im Mittelpunkt steht der deutschgriechische Restaurantbesitzer Zinos, der tollpatschig von einer Katastrophe in die nächste stolpert und erst dann zu sich kommt, als das bedroht wird, was ihm sein ein und alles ist: der eigene Laden und – darüber hinaus – das Heimatgefühl, das er und seine Freunde mit diesem Ort verbinden.

Heimat also, dieser bedeutungsschwere, urdeutsche Begriff, der bei Akin aber – befreit von seiner nationalen Dimension – bewusst bunt daherkommt und anstelle einer wie auch immer definierten homogenen Einheit die Heterogenität der Stadt Hamburg und ihrer Menschen, die Liebe, die Freundschaft und gute Musik feiert. Ob diese Menschen nun Griechen, Deutsche oder Türken sind, spielt dabei eine wohltuend geringe Rolle, anstelle von einseitiger kulturell begründeter Differenzierungen tritt in Soul Kitchen die Normalität eines Zusammenlebens von unterschiedlichsten Individuen, welche, ungeachtet ihrer ethnischen Herkunft, zusammen lachen, streiten, feiern und lieben.

 

Es scheint, als hätte sich Akin nach den herausragenden Dramen Gegen die Wand und Auf der anderen Seite mit dieser leichten Komödie eine Verschnaufpause gönnen wollen, und obwohl Soul Kitchen bestimmt nicht sein Meisterwerk ist, fällt es doch schwer, sich seinem Charme zu entziehen. Sicher, die männlichen Raufbold-Charaktere (Birol Ünel gewohnt impulsiv, Moritz Bleibtreu als das schwarze Schaf, dem man aber alles verzeiht) haben wir alle schon mal in vorherigen Akin-Filmen gesehen, die Protagonistinnen bleiben bis auf die rotzig-hinreißende Anna Bederke ziemlich blass und fungieren eher als Sehnsuchtsfolien der männlichen Betrachter denn als komplexe Figuren. Die Überzeichnungen funktionieren nicht immer, und einige narrative Wendungen sind durchaus vorhersehbar, aber was soll’s: Der Soundtrack lässt die Füße wippen, die Kamera umtanzt elegant und dynamisch das hektische Treiben des größtenteils hervorragenden Ensembles, der Schnitt heizt im Rhythmus der Soulmusik das Tempo an, und so funktioniert der Film trotz einiger dramaturgischer Schwächen als schnelle, coole und witzige Komödie, die sich nicht um politische Korrektheit oder intellektuellen Anspruch schert, sondern einlädt zum Mitfeiern und Mitlieben.

Man bleibt gespannt, was als Nächstes kommt; sicherlich gibt es in der deutschen Kinolandschaft keinen Regisseur, der sich so rasant weiterentwickelt hat wie Akin, und der darüber hinaus mit so viel Leichtigkeit und Temperament über ein multiethnisches Deutschland zu erzählen weiß, ohne auf eben jene Multiethnizität mit dem Finger zu zeigen und übliche Kategorien und Grenzziehungen zu bedienen.

 

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