Ein Auge auf´s Geschäft, eines im Plattenkasten
Gerade der Geschäfts-Aspekt macht sein Buch zu einem ansprechenden Lesestoff. Und obwohl Goldbergs Fan-Haltung immer erkennbar bleibt, ist Unter Genies an keiner Stelle verklärend. Natürlich stößt man bei der Lektüre oft auf Romantik und Revolution, allerdings sind diese Begriffe immer zumindest lose an das Big Business geknüpft. „Niemand wurde aus Zufall oder gegen den eigenen Willen zum Rockstar“, stellt Goldberg fest. Wer es in den Rockolymp geschafft hat, war Bestandteil einer dollarschweren Maschinerie, die nicht selten schlechte Künstler gefördert und gute belogen und betrogen hat. Das hat man bereits gehört – so schön wie bei Goldberg, der vom Flower Power über Hair Metal und Punk bis zum Grunge alle Strömungen aus nächster Nähe miterlebt hat, bekommt man es aber selten erzählt.
Unter Genies verschafft einem Zutritt zum Studio und zum Backstagebereich, zur Awardshow und zur Entzugsklinik. Über viele Erinnerungen an seine Zusammenarbeit mit Rockgrößen wie Jimmy Page, Gene Simmons, Patti Smith und Kurt Cobain gerät man ins Staunen, oft ins Schmunzeln und nicht selten auch ins Trauern. Gewaltige Egos, zerbrechliche Künstlerseelen, Drogeneskapaden, die man in den Griff bekommen hat und immer wieder Rückfälle – der Stoff, aus dem der Schmierenjournalismus ist, wird von Goldberg in gut zu lesende Kapitel gepresst, die immer genügend Abstand zur Wahrung der Würde wahren, aber trotzdem nah und lang genug draufhalten, um den Zauber einzufangen bzw. auch mal entzaubern zu können.
Mit Unter Genies liegt ein kurzweiliges Buch vor, das anhand interessanter Anekdoten berühmter Rockbands und Branchengrößen die Glanzzeit der Musikindustrie portraitiert. Gleichzeitig ist es ein Zeugnis über eine Zeit, die inzwischen zum Rudiment geworden ist, da mit dem Aussterben der Musikindustrie in der Form, wie sie bestanden hat, auch die Ära des überlebensgroßen Stadionrock über kurz oder lang beendet scheint. Wer sich auch nur ein Stück weit mit Rockmusik identifizieren kann, wird das Buch mögen – Fans von Led Zeppelin und Nirvana, von KISS und Stevie Nicks, von Jackson Browne und Warren Zevon dagegen werden es lieben.