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Samstag, 26. Mai 2012 | 00:45

Mignola / Arcudi / Davis: B.U.A.P.

05.08.2010

Tentakeliger War on Terror

Nach dem die Behörde zur Untersuchung und Abwehr Paranormaler Erscheinungen – kurz B.U.A.P. – verhindert hat, dass ein gigantischer lovecraftscher Horror die Zivilisation vernichtet, zeigt sich eine neue Definition des Terrors im Herzen der Behörde. Von PETER KLEMENT

 

Im siebten Teil des Hellboy-Spin-Off B.U.A.P. - Tödliches Terrain zeigt das Künstlerquartett, dass Terror kein Monopol übellauniger Bartträger ist. Denn das von Mignola und John Arcudi geschaffene Universum ist von einer Gothic Fiction zu einem Gothic War on Terror eskaliert, in dem sich das Grauen längst nicht mehr mit Schlossruinen oder viktorianischen Herrenhäusern zufrieden gibt. Und so ist es nicht weiter verwunderlich, dass auch im siebten Band die Behörde einen bitteren Blutzoll bezahlen muss.

 

Zwar scheint mit der Zerstörung von Katha-Hem (vgl. B.U.A.P. - Schwarze Flamme) – Mignolas Entsprechung eines großen Alten bei Lovecraft – der Untergang der Menschheit abgewandt, doch das Geheimnis um die Wiederauferstehung von Captain Benjamin Daimios könnte sich als fatal erweisen. Denn von den Toten kehrt man nicht ungestraft zurück.

 

Im Labyrinth

Man muss die vorherigen Bände der Serie gelesen haben, um Tödliches Terrain verstehen zu können. Der Erzählstil von Mignola gibt in jedem Band neue Details über die Figuren und deren Welt preis. Diese Details haben unter Umständen erst nach zwei Bänden eine Bedeutung, man sollte sich aber trotzdem an sie erinnern. Denn für seine Mühen wird man mit einer dichten und vor allem spannenden Erzählung belohnt, die sich über die sechs vorherigen Bände entfaltet und mit Sicherheit eine interessante Fortsetzung finden wird.

 

Auch innerhalb der einzelnen Bänden finden sich Verweise, die durch aufmerksames Lesen entdeckt werden wollen: Zu Beginn von Tödliches Terrain sitzt beispielsweise ein gewaltiger Hüne in der Kantine und schaufelt sich voll. Vielleicht ein neues Mitglied des Teams? Doch der Fleischberg hört auf den Nachnamen „Kraus“, „Johann Kraus“ um genau zu sein, das vormals körperlose Medium der Gruppe. Und da wäre noch ein Ding namens Daryl in einer der Zellen im Keller. Im Falle von Johann Kraus wird das Rätsel nach einigen Seiten gelöst. Im Falle von Daryl sollte man sich jedoch an die vorherigen Bände erinnern (vgl. B.U.A.P. - Die universelle Maschine). Dieser Erzählstil fesselt und lässt einen vorherige Bände auf der Suche nach Entgangenem wieder zur Hand nehmen.

 

Onomatopoesie des Unheimlichen

Mike Mignola wechselt zielsicher von einem Schlachtengemälde aus dem Krieg gegen das Paranormale zu den persönlicheren Erlebnissen der verschiedenen Protagonisten innerhalb der Behörde, die gekonnt aus dem breitem Fundus der Gothic Fiction adaptiert und ergänzt werden. Doch im Gegensatz zur Literatur muss hier das Grauen gezeigt werden. In einem Genre,das sich aus der Andeutung des Unsagbaren und Unbeschreiblichen speist, ist das ein ambitioniertes Unterfangen – mit Worten kann umschrieben werden, ein Comic muss darstellen! Doch die Entwürfe von Stewart und Davis können überzeugen und schaffen eine beklemmende Szenerie, die von den kontrastreichen und oft dunklen Panels lebt.

 

Im Vergleich zu Hellboy sind die Bilder detailreicher, was die Figuren ausdrucksreicher und damit schätzenswerter macht. Selbst Statisten wird viel Aufmerksamkeit gewidmet, obwohl sie nur zwei Panels später von grausigen Wesen explosiv verhackstückt werden. Mit dem realistischeren Stil entfernt sich B.U.A.P. von der trashigen Orientierung seines Ursprungs: Wo in Hellboy noch geprügelt wurde, wird hier schnell und scharf geschossen. Auch Nazis mit Weltuntergangsphantasien, einer ungesunden Faszination für das Paranormale und ledernem Superschurkenlook ergattern zwar noch ihren Auftritt, sind aber vermutlich die letzten ihrer Art. Stattdessen sind die Grenzen verwischt. Die Übergänge zwischen Freund oder Feind sind fließend und Bartträger, trotz Sprengstoff und grimmiger Miene, eventuell Retter in der Not.

 

Lovecraft 2010

Mike Mignolas B.U.A.P. ist ein gekonntes Experiment, die betagte Gothic Novel in ein anderes Medium zu übertragen und gleichzeitig den bürgerlichen Horror aus dem warmen Stübchen vergangener Tage in die Gegenwart zu bringen. Ja, auch das unaussprechlich Böse muss mit der Zeit gehen.

 

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