Kennzeichen T - 25.05.2012 Thomas Kistner: Fifa-Mafia Men in Black 3 - jetzt im Kino! Andrea Maria Schenkel: Finsterau "Bacon Talks": Frankfurts Schauspielintendant Oliver Reese schreibt ein Stück und inszeniert Der FUTTERblog - streng verdaulich!
Samstag, 26. Mai 2012 | 00:48

Mark Rowlands: Der Leinwandphilosoph

25.03.2010

Videoabend im Elfenbeinturm

Als Leinwandphilosoph bringt Mark Rowlands, Professor für Philosophie an der University of Miami, seinen Lesern einige zentrale Theorien der abendländischen Geistesgeschichte näher, indem er seinen Lehrstuhl gegen den Kinosessel eintauscht. Von CHRISTOPH NEUBERT

 

Im Leinwandphilosoph wird der fast schon symptomatische Bierernst der Philosophen auf ein Niveau heruntergebrochen, das einer fruchtbaren Unterhaltung am Biertisch nicht abträglich ist. Dass dabei die aufwendig hergeleiteten philosophischen Annahmen in seinem Buch bloß bruchstückhaft – und daher für einen ernstzunehmenden philosophischen Diskurs unzureichend – wiedergegeben werden, kann man dem Autor indes nicht vorwerfen, sondern liegt in der Natur von Einführungsschriften. Und von denen gibt es in den Buchhandlungen mehr als gegen den Utilitarismus gerichtete Polemik bei Nietzsche.

 

Mark Rowlands neue Veröffentlichung sticht aus dieser Masse insofern heraus, als es ihm gelingt, den Lesern über die großen Theorien von Aristoteles bis Schwarzenegger auf ausgesprochen launige Weise einen groben Überblick zu verschaffen, nämlich unter Bezugnahme auf populäre – und von der Kritik zumeist verlachte – Science-Fiction-Filme. Da er auf akademische Posen konsequent verzichtet, ist er dabei stets auf Augenhöhe mit dem Leser. Mit seiner eigenwilligen Einführungsschrift will er übrigens auch ein neues Genre begründet wissen, dass er auf den Namen Sci-Phi tauft.

 

Dem Philosoph ist nichts zu doof

Unserem Vorzeige-Kantianer Arthur Schopenhauer zufolge lassen sich wahre Genies lediglich unter Künstlern und Philosophen finden. Denn während die großen Geister der Naturwissenschaften zwar stets spektakuläre (oder zumindest als solche wahrgenommene) Neuerungen hervorbringen und -brachten, haben für seine Begriffe nur die Meisterwerke dieser Schulen das Vermögen, die Sichtweise auf die Welt bei denjenigen, die sich mit ihnen beschäftigen, tatsächlich und grundlegend zu verändern.

 

Damit sich dieser bahnbrechende Effekt bei den Rezipienten einstellt, müssen diese die entsprechenden Werke natürlich persönlich betrachten, hören, oder - im Falle einer philosophischen Schrift - studieren. In den Bereichen der Kunst und der Philosophie gibt es keine Formel, die die Essenz beinhaltet, weswegen hier die unmittelbare Anschauung vorausgesetzt wird. Aus diesem Grund kann eine Einführungsschrift in die Philosophie immer nur einen ersten und unvollständigen Überblick leisten, für die unsere großen Denker mehrere hundert Seiten füllen mussten.

 

Sofies Krieg der Welten

Rowlands Ansatz erweist sich als gute Idee (auch wenn man in diesem Rahmen gar nicht unbefangen mit diesen Begriffen arbeiten kann – ich bitte also um Nachsicht). Denn anhand von Blockbustern wie Matrix, Terminator, Frankenstein, Star Wars oder Blade Runner werden sowohl anschaulich als auch amüsant philosophische Fragestellungen erörtert und nachvollziehbar gemacht. Dabei lässt Rowlands auch eine subjektive Haltung nicht vermissen, die hier durchaus eine Bereicherung darstellt, denn sie verhindert, dass sich manche Leser von der nüchternen Sachlichkeit einiger Thesen einlullen lassen.

 

Wer von einer Einführung in die Philosophie erwartet, dass sie auch als Nachschlagewerk funktionieren muss, ist bei Der Leinwandphilosoph allerdings an der falschen Adresse. Rowlands handelt, schön der Reihe nach, Film für Film ab, wobei sich manche Kapitel in einigen Punkten auf vorangegangene Abschnitte beziehen – ein schneller Zugriff auf bestimmte Begriffe oder Sachverhalte ist hier ausgeschlossen.

 

Auch was den Umfang der behandelten Thesen betrifft, zeigt sich Der Leinwandphilosoph recht eingeschränkt. Insofern eignet sich das Buch lediglich als anschauliche und kurzweilige Ergänzung zu einer umfassenden Enzyklopädie. Wer sich jedoch nur einen einfachen und unterhaltsamen Zugang zur Philosophie erhofft, dem kann Rowlands Veröffentlichung absolut empfohlen werden – unter der Voraussetzung allerdings, dass man die Begeisterung für Science-Fiction-Filme mit dem Autor teilt.

 

| kommentar schreiben

Name:
Kommentar:

Von der Verrohung des Bürgertums

Ja, die Welt ist schlecht, weil ungleich. Aber hurra – wir tun doch was! Das Netzwerk der »Tafeln« sorgt dafür, dass auch Hartz-IV-ler würdig ...

Licht wo zu viel Schatten lag

Jetzt mal ehrlich, das Buch Fifa-Mafia von Thomas Kistner ist keine einfache Kost. Zu ungebremst und schnörkellos werden einem hier schallernde Fakten um die Ohren gehauen. ...

Lämmer in der Obhut von Wölfen

Das europäische Mittelalter war nicht gut zu Frauen – zumindest wenn wir heutige Kriterien anlegen. In jedem Fall aber war es eine schlechte Zeit für die wenigen Frauen in ...

Vorschlag zur Güte

Reiß mir bitte reiß mir doch

in meinen Etat ein Loch

stopf zwei drei deiner Sorgen rein

und bald wird wieder Frühling sein

»Die Wahrheit ist ein scheues Kind ...«

Mit dem Roman Tannöd begann 2006 die erstaunliche Karriere der Andrea Maria Schenkel. Der Nachfolger, Kalteis (2007), bewegte sich noch ganz im Dunstkreis des erfolgreichen ...

Valium im schwarzen Anzug

Die MIB-Filmreihe von Regisseur Barry Sonnenfeld komplettiert sich nun zur Trilogie und tischt dem Zuschauer das Alte vom Vortag nochmal neu auf – nur diesmal in 3D. Lasst euch vom ...

Ecce Homo

»Siehe, der Mensch!« - so wird allgemein Ecce Homo übersetzt. Napoleon soll Ähnliches zu Goethe bei ...