Wie sieht Kunst in einer globalisierten Welt aus? Gibt es überhaupt noch so etwas wie regionale Unterschiede? Gibt es überhaupt noch so etwas wie einen nationalen Charakter von Kunst? Oder hat der internationale Kunstmarkt, jenes hochkapitalistische Gebilde aus Künstlern, Galerien, Auktionshäusern und solventen Käufern, mit seinem globalen Anspruch längst die Führungsrolle im Kunstbetrieb übernommen?
Dies sind durchaus spannende Fragen, auf die es mannigfaltige Antworten gibt. In dem Sammelband „Kunst Global“ reflektieren Künstler, Sammler, Museumsdirektoren, Galeristen, Messeleiter, Auktionatoren und Wirtschaftsführer über den Zusammenhang von Globalisierung und Kunst – und sie kommen, ganz im Sinne der Fragestellung, zu den unterschiedlichsten Ergebnissen. Diese reichen auf Seiten der Künstler von der kruden romantisierenden Selbststilisierung des Leipziger Malerfürsten Neo Rauch bis zu Ai Weiweis klugen und mitunter provokanten Analysen. Doch die eigentliche Überraschung, der Novitätenwert von „Kunst Global“ liegt sicherlich eher in den Ausführungen jener oft im Verborgenen tätigen, marktbestimmenden Gruppe von Menschen, denen Kunst vor allem Eines ist: harte Währung. So führt das Buch den Leser geradewegs en passant in die Kulturpraktiken des Kunstmarktes ein.