Der Mensch als statistische Größe
Klares deutschlandweite Odyssee führt ihn durch Ämter, Versicherungs-, Ärzte- und Abgeordnetenbüros, zu Interviews mit Ökonomen und Philosophen, seiner Mutter und Gunther von Hagens. Fast jedes der 47 Kapitel zeigt dabei die Sichtweise auf den menschlichen (bzw. Klares) Wert aus einer anderen Perspektive. Das macht das Buch zwar einerseits sehr bunt (von der Samenbank bis zum VWL-Professor lässt Klare kaum was aus), aber leider führt es wegen unterschiedlichster Berechungsmethoden schließlich zu einer gewissen Beliebigkeit und vor allem zu einer Übersättigung durch jede Menge Zahlen. In kleineren Dosen, als wöchentliche Kolumne in einer Zeitung oder im Radio, wäre Klares insgesamt bewundernswert vielseitige Recherchearbeit sicher besser zu verdauen.
Oft versucht Klare mit seinem gewollt naiven und prätentiös unprätentiösen Ton komische Effekte zu erzielen, die oftmals von der eigentlichen Argumentationsführung ablenken und fast schon stören. Dabei ist er auf solche Effekte gar nicht angewiesen. Schließlich bietet er dem Leser inhaltlich unglaublich viel: Oder wussten Sie vielleicht, wie viel die BRD ausgab, um politische Gefangene aus der DDR freizukaufen? Oder wie nach 9/11 die Fluggesellschaften ihre Zahlungen an die Opfer ausarbeiteten? Obendrein zeigt Klare, wie Versicherungen, Autokonzerne und der deutsche Staat in seinen Ministerien den Menschen zu einer statistischen Größe eindampfen, um damit mehr oder weniger seriöse Politik zu betreiben.
Über Klares Stil mag man mäkeln, soviel man will – doch was er inhaltlich und in seiner Faktenfülle abliefert, ist ein unterhaltendes, interessantes, ernüchterndes, erheiterndes, anregendes und teilweise auch emotional packendes Buch, das den Alltagsblick verändert. Uns auch wenn Ihnen Jörn Klare persönlich dann am Ende mit seinem Preis von über einer Million Euro vielleicht zu teuer sein wird – sein Buch kostet nur 14,90 Euro. Und das sollte es Ihnen wert sein ...
