Irrwege, Umwege, Auswege
Seit langem träumt der Weltmusiker und –reisende von einem Konzertschiff. Als sich die tollkühne Route durch den afrikanischen Tanganjikasee als kaum realisierbar erweist, wächst die naheliegende Idee einer Donaufahrt, von Regensburg bis zum Schwarzen Meer, quer durch vierzehn Länder, begleitet von Musikern der jeweiligen Region. Mit Martin Heller, dem Intendanten der Europäischen Kulturhauptstadt Linz 2009, lernt Hubert von Goisern einen visionären Impresario kennen, der bereits 2005 spontan Unterstützung verspricht. Nur das ursprüngliche Ansinnen, die Aktion in einem Weblog zu dokumentieren, lehnt von Goisern ab – zu ungefiltert, zu unreflektiert, zu spontan. Nein, ein Buch soll es werden, das Tage- und Logbuch eines ungewöhnlichen Grenzgängers.
Doch die ersten Erkundungstouren im Frühjahr 2006 lesen sich wie ein satirischer Bericht über die Fährnisse und Fallstricke europäischer Kulturförderung. Von Goiserns Begeisterungsfähigkeit stößt allenthalben auf Ignoranz, Arroganz, Zynismus. In Bratislava sorgt man sich eher um die sommerliche Mückenplage, in Budapest verweist man in Richtung Provinz – doch je östlicher von Goisern reist, desto offener, herzlicher wird er empfangen. Kontakte werden geknüpft, Ministerien, Magistrate und Medienvertreter besucht, musikalische Partner verpflichtet, eine Crew zusammengestellt, Pressekonferenzen abgehalten, Pläne geschmiedet und wieder verworfen.