Eventuell für Lokalpatrioten
Man muss dazu sagen, dass ich weder aus Hamburg komme noch großer Fan von Comic-Strips im allgemeinen bin. Außerdem habe ich noch nie einen Galáo beim Portugiesen bestellt. Sogar das „to go“ geht mir nach wie vor schwer über die Lippen, weswegen ich meinen Kaffee immer noch „zum Mitnehmen“ bestelle. Bewohner der Hansestadt allerdings fühlen sich eventuell mehr von den beiden Lokalmatadorinnen angesprochen – immerhin gewährleisten Adressen wie die Mutter, der Jenisch-Park oder die Rote Flora ein bisschen heimatliche Verbundenheit. Aber genauso wenig, wie z.B. Hägar einen echten Wikinger-Way of Life vermittelt, lassen einen die Schanzen Babes an einer besonderen Hamburger Lebensart teilhaben. Ein paar Änderungen im Lokalkolorit würden genügen, um anderen Stadtmagazinen so etwas wie die Friedrichshain Tussis oder die Maxvorstadt Luder zu bescheren.
Ansonsten ist man meiner Ansicht nach, wenn es um Comic-Strips geht, mit den Arbeiten von Mahler, Thomas Gilkes´ Leroy&Dexter oder den im groove-Magazin erscheinenden Hotze-Comics besser beraten. Oder, um bei der Edition 52, dem Verlag der Schanzen Babes zu bleiben, bei den Arbeiten von Jamiri.
Diese Beispiele zeigen, dass der Charme von Comic-Strips auch in direkter Folge gelesen gut zur Entfaltung kommen und sich vor allem auch langfristig halten kann. Dazu bedarf es allerdings guter Ideen – und nicht zuletzt gelungener Nebenfiguren. Wenn dies gewährleistet ist, verzeiht man dem Autor auch den einen oder anderen Sparwitz. Die Schanzen Babes dagegen entpuppen sich leider als kompletter Reinfall – daran kann auch ein kurzes Gastspiel von Didi&Stulle nichts ändern. So traurig es klingt: Die wenigen Lichtblicke sind fast ausschließlich den Gastzeichnern Klaus Cornfield, Wittek, Olli Ferreira und Jule K. zu verdanken.

