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Freitag, 25. Mai 2012 | 22:54

Conan und die Prophezeiung / Nergals Hand

12.11.2010

Barbar im Dauereinsatz

Conan der Barbar ist nicht totzukriegen – weder als fiktionaler Charakter, noch in seiner Publikationsgeschichte. ANDREAS ALT hat  sich die Bände Conan und die Prophezeiung und Nergals Hand angesehen.

 

Im Moment steht der archetypische Sword-and-Sorcery-Held Conan nicht im Mittelpunkt der Unterhaltungsindustrie – im Kino ist er seit 25 Jahren nicht mehr aufgetaucht, und die einst bahnbrechende US-Comicheftserie bei Marvel (ein wichtiger Schritt der Industrie hin zur Fantasy) wurde 1993 eingestellt. Derzeit hat der Verlag Dark Horse die Rechte an dem grimmigen Barbaren. Wie der ursprünglich in den 1930er Jahren von Groschenroman-Autor Robert E. Howard erdachte Stoff hier bearbeitet und interpretiert wird, lässt sich auch in Deutschland verfolgen. Panini veröffentlicht die Serie in Trade Paperbacks zusammengefasst. In den beiden hier besprochenen Bänden werden jeweils fünfbändige Miniserien vorgelegt, gestaltet von verschiedenen kreativen Teams.

 

Conan und die Prophezeiung, eine locker an Textvorlagen von Howard und seinen literarischen Erben angelehnte Geschichte, schrieb der Comic- und Filmautor Joe R. Lansdale. Zeichner Tim Truman ist auch als Illustrator für Fantasy-Rollenspiele tätig. Die beiden haben ein in seiner Struktur übersichtliches Abenteuer produziert: Eine übersinnliche Macht, der „schwarze Gott", kann dann beschworen werden, wenn mehrere magische Gegenstände und ein Zauberbuch, dessen Seiten nur von dem Magier Husbas umgeblättert werden können, zusammengebracht werden. Dahinter sind logischerweise nicht nur Husbas und seine Schergen sowie eine wehrhafte Ordensfrau, sondern auch Conan und sein Begleiter Alvazar her.

 

Ziemlich blutig und infernalisch

Stilistisch erinnert das Werk an die Tradition des Italowestern: Antihelden von amoralischer Grundhaltung kontrastieren mit witzigen Sprüchen und Situationen, die das Werk tatsächlich recht unterhaltsam machen. Truman zeichnet sehr ornamental, was wohl von seiner Rollenspiel-Arbeit herrührt und die Grafik eher märchenhaft als realistisch wirken lässt. Der Band wird durch die fünf Cover der US-Ausgaben und einen achtseitigen Blick in Trumans Sketchbook vervollständigt.

 

Nergals Hand ist die Bearbeitung der gleichnamigen Conan-Story aus Howards Nachlass, die der Fantasy-Autor Lin Carter vollendet hat. Hier nun ist Truman der Autor und arbeitet mit dem argentinischen Zeichner Tomás Giorello zusammen. Interessant an diesem Band ist, dass diese Story 1973 schon einmal von Roy Thomas und dem als prägend geltenden Conan-Zeichner John Buscema in einer frühen Marvel-Ausgabe verarbeitet worden ist, die zum Vergleich mit abgedruckt ist. Wofür Thomas und Buscema damals nur 18 Seiten zur Verfügung standen, das breiten Truman und Giorello nun auf fünf Mal 22 Seiten aus.

 

Diesmal kommt Conan eher unfreiwillig mit schwarzer Magie in Berührung. Der Zauberer Atalis hat in Diensten des jungen Königs Than ein krakenhaftes Monster mit menschlichen Opfern zu versorgen, und der Barbar wird Zeuge, wie die schöne Dienerin Iniri zu diesem Zweck gefangen genommen wird. Während Conan das Mädchen zu befreien versucht, überrumpelt Atalis seinen König, der zur Opferzeremonie gekommen ist, durch eine übersinnliche Herzverpflanzung, die ihm als Jungbrunnen dienen soll. Alles mündet in einen ziemlich blutigen und infernalischen Showdown.

 

Nicht totzukriegen

Thomas und Buscema hatten sich eng an das von Carter vollendete Manuskript gehalten. Truman begnügt sich dagegen mit dem nach seiner Aussage etwa zwei Manuskriptseiten umfassenden Fragment Howards, das er ungeachtet der Carter-Fassung nach eigenem Gusto kräftig ausschmückt und weiterdichtet. Wo die alte Marvel-Ausgabe die Storystruktur entsprechend dem begrenzten Raum eines Comichefts vereinfacht, schaltet Truman eine fast drei Hefte umfassende Vorgeschichte vor, in der sich Conan als Söldner verdingt und die Bekanntschaft von Iniri macht, während erste Vorbereitungen von Atalis' Kultopfer eingeflochten werden. Der titelgebende Talisman, Nergals Hand, der bei Carter zwei Geisterwesen entfesselt, die sich schließlich gegeneinander wenden, spielt hier fast keine Rolle. Truman hat viel Platz (und muss ihn füllen),um eine düstere, magische Welt zu entfalten, die Conan bedroht. Das wird erst am neu erfundenen Ende richtig spannend.

 

Zeichner Giorello macht mehr aus seinem Part. Seine Grafik weist durchgehend eine dichte Atmosphäre auf, die Aquarellierung erinnert teilweise an Altmeister Jeff Jones. So hilft die Optik über manche Längen der Story hinweg. Giorello bleibt übrigens auch nach dieser Miniserie fester Conan-Zeichner, etwa in dem inzwischen erschienenen Panini-Band # 12.

 

Conan ist nicht totzukriegen – was nicht nur für die Fans des Schwert schwingenden Cimmeriers Grund zur Genugtuung ist. Angesichts des immer noch starken, auch durch Rollen- und Computerspiele befeuerten Fantasy-Booms kann er weiter neue Anhänger finden. Dark Horse begnügt sich nicht mit der bloßen Resteverwertung einer einst bahnbrechenden Comic-Serie, sondern bemüht sich sichtlich, ein hohes Niveau zu halten und ihr neue Aspekte abzugewinnen.


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