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Freitag, 25. Mai 2012 | 22:58

Matthew Sturges und Bill Willingham: House of Mystery

07.10.2010

Langeweile im House of Mystery

DC Vertigo versucht sich an der Neuauflage eines klassischen Horror-Comics aus den 50er Jahren. Richtig gelingen will es nicht, trotz des hochkarätigen Kreativteams. Von FREDERIK WILHELMI

 

Wie schon in der ursprünglichen House of Mystery-Reihe sollen Horror-Kurzgeschichten präsentiert werden. Neu ist die durchgehende Handlung, in der sie eingebettet werden. Alle Zutaten einer gelungenen Neuinterpretation sind vorhanden: Ein kultiger alter Comic mit einer Hauptfigur, die einem Großteil der jüngeren Leserschaft inzwischen aus dem Sandman bekannt ist, und ein Autor, dessen Name für gute und phantasievolle Geschichten steht. Die Figur ist Cain, der biblische Bruder Abels, und im DC-Universum der Hüter des House of Mystery. Der Autor ist Bill Willingham, der die hochgelobte und beliebte Serie Fables schreibt. 

 

 

Aber schon im ersten Band werden die Leser enttäuscht. Bill Willingham taucht nur bei zwei Kurzgeschichten als Autor auf, und Cain hat nur einen kleinen Auftritt auf den ersten beiden Seiten. Anstelle von Willingham textet sein langjähriger Mitarbeiter und Freund Matthew Sturges, der mit Willingham bereits das Fables-Spin Off  Jack of Fables geschrieben hat. Willingham hat vor allem an der Idee mitgearbeitet und soll im Laufe der Reihe für mindestens fünf der innerhalb des Comics erzählten Kurzgeschichten verantwortlich sein. 

 

Geschichten statt Geld

Der Comic besteht aus einer zusammenhängenden Geschichte, in der es die junge Architektin Bethany Keeler in das House of Mystery verschlägt, und aus den Geschichten, die die Gäste der Kneipe des Hauses erzählen. Neben Bethany gehören noch vier weitere Personen zur permanenten Besetzung des Hauses, das sie nicht verlassen können. Ihre Langweile bekämpfen sie, indem sie sich in der Kneipe mit Geschichten an Stelle von Barem bezahlen lassen.

 

Dies ist eine Abkehr von dem ursprünglichen Konzept der House of Mystery-Reihe, in dem die Kurzgeschichten nur durch eine zentrale Figur, den Haushüter Cain, präsentiert wurden. Sturges und Willingham hoffen durch eine übergreifende Geschichte Kontinuität zu schaffen, die die Leser langfristig an das Projekt bindet. Dazu passt, dass die Rahmenhandlung komplett von einem Künstler, dem Italiener Luca Rossi, gezeichnet wird, während sich an den Kurzgeschichten verschiedene Gastzeichner und -zeichnerinnen versuchen. Darunter findet sich schon im ersten Band die durch Sandman bekannt gewordene Jill Thompson.

 

Seifenopern-Dialoge

Im Gegensatz zu Jill Thompson ist der Zeichenstil von Luca Rossi eher herkömmlich und actionorientiert. Daher sind die Szenen, in denen tatsächlich etwas im großen Stile kaputt geht, gut gemacht. Hier fallen die dynamischen Zeichnungen in Verbindung mit geschickt unscharf gehaltenen Hintergründen auf. Für eine Horrorserie, die geheimnisvoll und verstörend wirken soll, ist das allerdings zu wenig. Auch die Dialoge können den Eindruck nicht ins Positive wenden. Die Unterhaltungen zwischen den fünf Hauptfiguren und den Gästen bewegen sich auf Seifenopernlevel und die philosophischen Hintergrundbetrachtungen, die Bethany in den Mund gelegt werden, bleiben banal und sind geradezu lästig.

 

Mehr Kurzgeschichten, bitte!

Die Haupthandlung ist leider nicht mehr als eine unangenehme Ablenkung von den gut geschriebenen und interessant gezeichneten Nebengeschichten. Auch wenn Sturges hier versucht möglichst viele Geheimnisse aufzubauen, die im Laufe der Serie gelöst werden sollen, lassen einen diese merkwürdig kalt. Ein Großteil der Geschichte besteht aus den kleinen und größeren Dramen, die sich aus den Versuchen Bethanys ergeben aus dem Haus zu entkommen. Dass sie dabei versuchen muss, sich mit den nicht gerade einfachen anderen Dauergästen zu arrangieren, macht die Sache nicht leichter.

 

Für den Fortgang der Serie bleibt nur zu hoffen, dass die Rahmenhandlung mehr Fahrt aufnimmt und tatsächlich Spannung bietet oder dass sie mysteriöser und erschreckender wird. Ansonsten würde es der Reihe gut bekommen, wenn Sturges und Willingham den Kurzgeschichten mehr Platz einräumen und sich damit wieder der ursprünglichen House of Mystery-Serie annähern würden.


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