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Freitag, 25. Mai 2012 | 22:58

claire Lenkova: Der Toupetmann und andere

21.10.2010

Absurd, verstörend, putzig

Die in Hamburg ansässige claire Lenkova legt eine Sammlung kleinerer und größerer Geschichten vor, von denen sich die meisten irgendwo im Spektrum zwischen extrem putzig und verstörend merkwürdig einordnen lassen. Dabei gelingt ihr das Kunststück, trotzdem immer unterhaltsam zu sein. Von FREDERIK WILHELMI

 

Für claire Lenkova als Künstlerin sprechen zwei Dinge: Zum einen hat sie eine bewegte Vergangenheit und zum anderen den Mut, diese Vergangenheit und auch private Gedanken und Gefühle ungeschönt zu Papier zu bringen. Als Dreingabe gibt es noch eine ordentliche Portion Abgedrehtheit. So können anspruchsvolle Bücher entstehen. Zum Glück für die superheldengebeutelte Comic-Welt, neigt claire jedoch seit Kindesbeinen an eher zu Bildergeschichten und so können sich Comic-Freunde über ein nachdenkliches und verrücktes Werk freuen.

 

Diese Mischung aus Privatem und Verrücktem lässt sich an dem Sammelband Der Toupetmann gut beobachten. Zum Beispiel in der Geschichte  Der Garten Eden oder: Wie ich zum Paradies kam: Sie beginnt damit, dass die Erzählerin claire von ihrer extrem christlichen Erziehung berichtet. Dann handelt sie die biblische Geschichte von der Erschaffung der Menschen und dem Rausschmiss aus dem Paradis auf sehr eigenwillige Art und Weise ab, nur um unvermittelt dazu überzugehen, wie bei ihr Osteopenie (eine Knochenkrankheit) diagnostiziert wird.

 

Deswegen fährt sie zum Paradies, wo sie den Künstler Jonathan Meese trifft, der sie auf ihrem Weg zur körperlichen und geistigen Vollkommenheit begleitet. Aber Gott, die Jonathans Mutter ist, befiehlt ihnen sich fortzupflanzen und claire, die keinen Bock auf Befehle hat, verlässt das Paradies. Moral: Nicht mal der Garten Eden war das Paradies.

 

Das "ß" als ein Paar Brüste

Es überkommt einen die Lust, jede einzelne der Geschichten detailliert nachzuerzählen, aber das ist leider nicht der Sinn einer Rezension und ohne die zugehörigen Bilder wäre es ohnehin verschwendete Liebesmüh. Die Geschichten werden in bilderbuchartigen Illustrationen oder klassischen Comic-Panels erzählt. Manchmal halten sie sich aber auch an gar keine der üblichen Muster. Eine zum Beispiel ist eine Mischung aus einem normalen Comic und einem Psychotest, den Männer bestehen müssen, um bei claire in Hamburg als zukünftige Lebenspartner vorstellig werden zu könnnen.

 

Hier fließen die Zeichnungen in- und übereinander und obendrein wurde noch ein "Gratiscomic" reingepackt, der höchstens als Methaper etwas mit dem Rest zu tun hat. Diese Geschichte ist auch stimmig coloriert, während die meisten anderen Erzählungen des Bandes schwarz-weiße Bleistiftzeichnungen sind. Manchmal haben diese etwas Skizzen- und Amateurhaftes, was ihrer Wirkung aber durchaus zuträglich ist. Auch das Lettering fließt mit in den positiven Gesamteindruck ein und ergänzt die Handlung. So ist der Text in einem Märchen, das aus einer kindlichen Perspektive erzählt wird, als saubere Schreibschrift in einem typischen Grundschulheft geschrieben und in Wandlungen wird in einem Bild das "ß" in dem Wort "Großbusig" zu einem Paar Brüste.

 

Eine gelungene Sammlung

Manche Geschichten waren zuerst in Spring zu lesen, einem Magazin, in dem ausschließlich Zeichnerinnen veröffentlichen und das einmal jährlich im Sommer erscheint . Eine Geschichte kennen begeisterte Web-Comic-Leser und -Leserinnen von der Seite zwarwald.de des Kölner Zeichners Leo Leowald. Und einige Figuren aus dem Reigen meiner Verehrer tauchten bereits als Karteikarten in dem Buch Alle meine Freunde auf, in dem claire Lenkova ihre Freunde katologisierte. Andere Geschichten werden hier zum ersten Mal veröffentlicht.

 

Der Toupetmann und andere stellt eine gelungene Sammlung von kleinen und größeren Geschichten da. Es gibt eine große Vielfalt unterschiedlicher Themen, Zeichenstile und Darstellungsarten. Ein empfehlenswerter Comic!


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Ich möchte meinen Kindern aus diesem paradiesfreien Wohlfühlbuch vorlesen.
| von sbraig, 09.02.2011

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