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Freitag, 25. Mai 2012 | 22:59

Winsor McCay: Little Sammy Sneeze

23.12.2010

Hatschi!

Der Strip Little Sammy Sneeze des Comic-Pioniers Winsor McCay erschien das erste Mal vor 106 Jahren. Der Bocola Verlag hat dieses bezaubernde Kleinod nun für deutsche Leser wiederentdeckt. Von CHRISTOPHER FRANZ

 

Der deutsche Comic-Markt ist bekanntlich nicht sehr groß. Der Markt für Nachdrucke aus der Frühzeit des Comics ist noch viel kleiner. So verwundert es nicht, dass nur sehr wenige dieser historisch höchst interessanten Serien, die damals ausschließlich in Tageszeitungen erschienen, hierzulande publiziert werden. Dies mag zum einen dem mangelnden Interesse des Publikums geschuldet sein, zum anderen aber auch den Schwierigkeiten, geeignete und vollständige Druckvorlagen zu finden. Die oft sehr anspruchsvolle und zeitaufwendige Übersetzung der in einem Sprachkauderwelsch aus Großstadtslang und Einwandererdialekt gehaltenen Dialoge tut dann ihr Übriges.

 

Angesichts dessen ist es erstaunlich, dass der Bocola Verlag das Risiko eingegangen ist, Little Sammy Sneeze aus der Versenkung vergessener Comicschätze hervor zu holen. Handelt es sich hier doch nicht um den bekanntesten der Strips seines Schöpfers Winsor McCay. In Erinnerung geblieben ist dieser wegen seines unvergleichlichen Little Nemo in Slumberland – zwar nicht in einer Gesamtausgabe, aber dennoch sehr ansprechenden deutschen Fassung erhältlich – und seiner traumhaften Serie Dreams of the Rarebit Fiend.

 

Die Publikation von Sammy ist dem Betreiben des Comic-Sammlers und -Forschers Alexander Braun zu verdanken, der sich schon als Kurator der durchweg sehenswerten Ausstellung Das Jahrhundert der Comics – Die Zeitungs-Strip-Jahre und als Autor des gleichnamigen Buches verdient gemacht hat. Auch bei Little Sammy Sneeze handelt es sich um waschechte Pionierarbeit mit langwierigen wie arbeitsaufwendigen Recherchen. Und für was die ganze Arbeit? Für die Geschichten über einen kleinen Jungen, der niest!

 

Kleiner Junge, großer Nieser

Wahrlich trivial also, was sich da auf jeder Seite – denn die Geschichten folgen einem strengen Muster – aufs Neue abspielt. In den ersten Bildern wird das Umfeld, in dem sich die Handlung abspielt, charakterisiert. Der Leser beobachtet den kleinen Sammy, wie er sich stets seltsam unbeteiligt am Geschehen auf einen monströsen Nieser vorbereitet. Im vorletzten Bild geschieht dann das Unglück. In einer unbändigen Eruption aus der Nase des Kleinen entweicht ein Orkan, der nichts, aber auch gar nichts am rechten Fleck lässt (einmal sogar zerreißt es Sammys neue Kleider). Das letzte Bild bleibt der Moral von der Geschicht vorbehalten. Nicht selten wird Sammy, der nicht weiß, wie ihm geschieht, mit einem Tritt für sein rotzlöffeliges Verhalten traktiert.

 

McCay gehört sicherlich zu den innovativsten und fantasievollsten Protagonisten dieser frühen Comiczeichnergeneration. Sein Ruhm ist dabei eng verbunden mit seinen schon genannten Meisterwerken. Aber trotz oder gerade wegen der stupiden Wiederkehr des immer wieder gleichen Sujets kann Litte Sammy Sneeze auch noch den heutigen Leser faszinieren. Das liegt hauptsächlich an dem überbordenden Detailreichtum und der Verspieltheit der Bilder. Erzähltechnisch spielt McCay ungezwungen mit den Möglichkeiten des noch jungen Mediums Comic, das gerade erst dabei ist, seinen Variantenreichtum auszuloten. Auf diese vielfältigen Spielereien geht Alexander Braun ausführlich in seinem äußerst lesenswerten Vorwort ein.

 

Schade nur, dass es sich bei der vorliegenden Ausgabe von Little Sammy Sneeze nicht um eine vollständige Sammlung aller erhaltenen Strips handelt. Das Album versteht sich mit seinen 71 abgedruckten Folgen als „Best-of“. Eine amerikanische Ausgabe ist um acht farbige Seiten vermehrt, verzichtet aber auf den Abdruck der schwarz-weißen Folgen (in der Ausgabe des Bocola Verlages sind davon 36 abgedruckt). Die beiden Bände ergänzen sich somit inhaltlich wie auch textlich. Außerdem ist es ungemein interessant den Text der Sprechblasen im Original zu lesen. Das letzte Wort in Sachen Little Sammy Sneeze ist somit noch nicht gesprochen, zumal auch das Auffinden weiterer, bisher nicht bekannter, Strips nicht ausgeschlossen werden kann. Für´s erste bleibt der Band jedoch vollends zu empfehlen, besonders wegen dem äußerst günstigen Preis. Somit bleibt nur eins zu sagen: Danke Bocola, Gesundheit Sammy!

 

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