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Freitag, 25. Mai 2012 | 23:00

Dabitch / Pendanx: Jeronimus - Vol. 2 & 3

30.12.2010

Homo homini lupus

Wie sehr der Mensch dem Menschen ein Wolf ist, zeigen Christophe Dabitch und Jean-Denis Pendanx in Jeronimus. In ihrem nüchternen Protokoll einer Seefahrtskatastrophe führen sie den Leser direkt hinab in die Abgründe der menschlichen Natur. Von FALK STRAUB

 

Was treibt einen unbescholtenen Bürger dazu, zu einem Monster zu werden, das den Tod seiner Mitmenschen eiskalt berechnet? Ist es ein persönlicher Schicksalsschlag, eine tiefe innere Überzeugung oder schlicht eine ausweglose Situation? Im Falle von Jeronimus Cornelisz, dem Unterkaufmann des Frachtschiffs Batavia, der im Juni 1629 nach dessen Havarie vor der Küste Australiens ein blutiges Regiment errichtet, bleibt die Frage Spekulation. Über Cornelisz' Beweggründe gibt es keinerlei Zeugnis.

 

Vergiftetes Klima

Christophe Dabitch tut gut daran, keine Antwort darauf zu geben. Wie schon Ruhe vor dem Sturm (vgl. die TITEL-Rezension vom 18.08.2010) zeichnen sich auch die letzten beiden Akte seines Seefahrer-Comics durch ihr neutrales Erzählverhalten aus. Nüchtern und mit historisch-sachlichem Ton rekonstruiert Dabitch die Ereignisse, die zunächst zum Schiffbruch und Auf der Insel schließlich zu den Gräueltaten führen, die über hundert Menschen das Leben kosten.

 

Nachdem die Batavia im Oktober 1628 in Richtung Java aufbricht, ist das Klima an Bord schnell vergiftet. Mit seinen ketzerischen Thesen bei Tisch sorgt Jeronimus Cornelisz für Unruhe. Sein Buhlen um Lucretia van der Mijlen verschärft die Situation. Im Werben um die kühle Blondine entbrennt ein Machtkampf mit Kapitän Ariaen Jakobsz und dem befehlshabenden Oberkaufmann Francisco Pelsaert. Als den Oberkaufmann das Fieber ereilt, wittern Jeronimus und Jakobsz ihre Chance zum Umsturz.

 

Hungrige Mäuler

Zur Meuterei kommt es aber nicht mehr. In der Nacht des 4. Juni 1629 läuft der Dreimaster auf ein Riff. Zwanzig Menschen sterben sofort. Siebzig weitere können nicht mehr rechtzeitig an Land gebracht werden. Gemeinsam mit der Batavia finden sie auf dem Meeresgrund ihr nasses Grab. Während Pelsaert mit dem Kapitän und einigen Mann in einer Schaluppe Richtung Java rudert, um Hilfe zu holen, retten sich rund 200 Überlebende auf Inseln des Houtman-Abrolhos-Archipels. Nach und nach übernimmt Jeronimus dort das Ruder.

 

Das Leben auf den Inseln ist hart und beschwerlich. Von der Batavia konnten nur wenige Lebensmittel gerettet werden. Trinkwasser ist knapp. Die tägliche Jagd nach Fischen, Vögeln oder Robben ist kraftraubend und eintönig. Als die Vorräte zu Ende gehen, erwächst in Jeronimus und seinen Verbündeten ein dunkler Gedanke, der unausgesprochen bleibt, aber jedem klar ist: Wenn nicht genug Nahrung vorhanden ist, um die hungrigen Mäuler zu stopfen, muss dem ein oder anderen eben das Maul gestopft werden.

 

Blutgetränkter Sand

Die Gewaltspirale, die dann einsetzt, bringen Christophe Dabitch und Jean-Denis Pendanx ganz behutsam zu Papier. Sie lassen sich viel Zeit, um nachzuempfinden, wie ein soziales Geflecht von der Bestrafung kleinster Vergehen in die angeordnete Tötung unliebsamer Elemente abdriftet. Ihren Comic wollen sie als Parabel auf den aufkommenden Kapitalismus verstanden wissen. Einmal in Gang gesetzt, ist seine unmenschliche Maschinerie nicht mehr anzuhalten.

 

Seinem Zeichner räumt Dabitch viel Platz ein. Immer dann, wenn eine rationale Erklärung der Ereignisse scheitert, findet Jean-Denis Pendanx die passenden Bilder. Jeronimus' Wandlung zum Monstrum, das sich selbst zu einer Art Gott erhebt, kleidet Pendanx am Ende des zweiten Bandes in eine Folge von 22 wortlosen Panels. Ein leuchtend rotes Gewand deutet bereits auf den blutgetränkten Sand voraus.

 

Neben solchen Verknüpfungen gelingt es dem Zeichner immer wieder, das Innenleben der Protagonisten nach außen zu kehren. Seine expressiven Farben fangen die flirrende Intensität auf der Insel perfekt ein und haben einen erheblichen Anteil daran, dass Jeronimus eine herausragende Meditation über Lust und Gewalt geworden ist.

 

Und hier die Gewinnfrage: Wie hieß Dave Stevens'  Vorbild für die Freundin des Rocketeer?

(0)Jane Russell
(2)Betty Page
(0)Iris Berben

TITEL-Verlosung Teil 2

Heute verlost TITEL vier Bände aus dem Hause CROSS CULT:

 

Dave Stevens: THE ROCKETEER


Eric Powell: THE GOON - Böses Blut


Mike Mignola & Richard Corben: HELLBOY - Der Krumme


John Layman: CHEW - Bulle mit Biss!

 

Wir danken dem Verlag herzlich für die Bereitstellung der Exemplare.

 

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